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Matthias Deutschmann:
Kabarett mit Kultur zwischen den Beinen
Matthias Deutschmann gastierte im Bündheimer Schloss
Nach einer "Überdosis Mittelalter" in Goslar am Abend Kabarett in Bad
Harzburg. Eine echte Herausforderung, konstatierte Matthias Deutschmann gleich zu Beginn: "Nirgends sind
die Tannen dunkler und ist das Lachen heller". Der dunkle Tann spielte fortan keine Rolle mehr, die mehr
oder minder hellen Lacher dagegen rissen nicht ab.
Mit Deutschmann präsentierte der Kulturklub seinem Publikum endlich einmal wieder einen echten
Kabarettisten, der sich aus der Schar der häufig kaum mehr als kalauernden "Comedians" ebenso deutlich
wie wohltuend abhebt. Und dies um so mehr, als Matthias Deutschmann nicht allein rhetorisch seinem Ruf als
einer der besten Kabarettisten Deutschlands gerecht wurde. Sein faszinierendes Cello-Spiel (fantastisch:
die Gema-Variationen des Beatles-Klassikers "Yesterday"), seine Fähigkeit, Stimmen zu imitieren und
seine gesanglichen Einlagen formten gemeinsam einen mehr als vergnüglichen Abend.
"Streng vertraulich" heißt das Programm, das der 46-Jährige mit erkennbarer Spielfreude seinem
Publikum darbietet. Nicht überraschend dabei die Grundaussage, "Kabarett kommt meistens von links -
von rechts kommt gar nichts". Wobei Deutschmann auch etliche Größen der "Arbeiterpartei" nicht
ungeschoren lässt. Am meistens vermisst er bei der SPD Ex-Verteidigungsminister Rudolf Scharping.
Nicht allein, weil "da nun zehn Minuten im Programm fehlen", sondern weil auch alles viel schwieriger
geworden sei: Scharpring, das sei "Pointenschürfen im Tagebau" gewesen.
Nicht so richtig gut kamen an dem bisweilen bissig-satirischen Abend auch die Amerikaner weg. Zumindest
schien es so, bis Deutschmann diesem Eindruck dann doch energisch entgegen treten wollte: "Die Amerikaner
machen am Ende alles richtig - nachdem sie vorher alles andere ausprobiert haben".
Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten vermittelte Deutschmann
auch akustisch, wenn er "Kabarett mit Kultur zwischen den Beinen" bot. Die US-Hymne auf dem Cello als
passendes Paradestück für jeden Einmarsch. Und dagegen die bundesdeutsche Nationalhymne, "in der
der Österreicher Haydn diesen Stolperer eingebaut" hat, der jedes Marschieren unmöglich mache.
Aber so sei das eben mit der "Beutekunst".
Deutschmann selbst hätte es zu anderen Noten gedrängt. Beispielsweise, wenn er anstelle von
Rostropowitsch nach der Grenzöffnung an der Berliner Mauer hätte spielen dürfen - "Die
Verwandten sind frei . . .".
Eine Reminiszenz an Franz-Josef Strauß ("Fangopackung fürs Gehirn der Älteren im
Publikum"), ein Exkurs über Aufklärung, die heute "nur noch ein militärischer Begriff ist",
Dieter Bohlen als "Reichspopführer", bei dem "kein musikalischer 20. Juli in Sicht" sei und immer
wieder - an diesem Samstag unvermeidlich - kabarettistische Abstecher zum Grand Prix nach Istanbul, wo "der
Max singt, was der Metzgergeselle so wunderbar verwurschtet hat". Das "Wunder von Istanbul" jedoch blieb
aus - was zumindest Deutschmanns Publikum gelassen nahm
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Artikel: Werner Beckmann
GZ von Di., 18.05.2004 |
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