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Jazz im Schloss:
Wenn Klassisches grenzenlos erscheint
Mehr als 300 Gäste wollten am Samstag das Dr.Jazz-Trio mit "Pathétique"
beim 16. "Jazz im Schloss" erleben
"Pathétique" stand auf dem Programm. Beethoven hatte dem 16. "Jazz im
Schloss"-Event am Samstag im Bündheimer Schloss einen Titel geliehen, sein "Pathétique" war die
Seele dieses Abends und zugleich einmal mehr das wohl passendste Attribut für ein Konzert des "Dr.
Jazz Trio" - präsentiert von Kulturklub und Commerzbank.
Pathétique heißt Leidenschaft. Doch allein mit deren Hingabe zur Musik ist der Erfolg von Dr.
Wolfgang Schömbs am Piano, Matthias Weise am Bass und Uwe Schmidt am Schlagzeug wohl kaum zu
erklären. Schon seit Tagen war "Jazz im Schloss" ausverkauft, über 300 Leute wollten dabei sein,
wenn Klassik und Jazz miteinander verschmelzen, wenn Beethoven, Mozart und Bach ihre gewohnten Grenzen
überschreiten dürfen. Mehr Gäste als am Samstagabend, stellte denn auch Dr. Wolfgang
Schömbs fest, haben auf der Brücke zwischen Klassik und Jazz keinen Platz und begrüßte
sein Publikum, dass von überall her aus dem Großraum Hamburg-Berlin-Herzogenaurach angereist
war.
Akribie und Lust
Leidenschaft also ist die eine Seite, Können ganz sicher die andere. Akribie paart sich mit Lust,
Professionalität mit Kreativität - aus diesem Zusammenspiel entsteht ein musikalisches Ereignis,
wie es die Menschen begeistert. Wie packt man das, mit den Noten freier umzugehen, werde er oft gefragt,
sagt Schömbs. Nun ja, das sei viel Arbeit, erwidert er dann, aber es ist möglich. Und ob.
Im Einklang, Nachklang, Wechselklang von Piano, Bass und Drums wird Beethovens "Pathétique" ganz
sanft auf die Brücke zwischen Klassik und Jazz geschoben. Die Tempi wechseln, das Thema bleibt. Mal
rasant, mal romantisch interpretiert. Aufbrausende Klänge werden geradezu rhythmisch fordernd und
lösen im Tasten- Saiten- oder Schlagstockwirbel, manchmal auch in einem befreienden "yeah", ihre
Spannung. Einige Passagen des Swinging Allegretto klingen, als hätte Beethoven die Jazzversion schon
vorausgedacht. Das Rondo erinnert an Samba, nimmt aber auch Anleihen im Sakralen - spannende
Kombination.
Für Leidenschaft gibt es keine Noten, die lässt sich nicht vom Blatt ablesen. Gleiches gilt
für Fantasie. Bei Mozarts Fantasie D- setzten nach der Pause die Solisten Akzente. Zunächst Dr.
Wolfgang Schömbs am Bösendorfer, danach Uwe Schmidt an den Drums. Gleichermaßen virtuos und
sehenswert.
"Best of in Finale"
Den Bach-Choral "Jesu, Joy of Mans Desiring" hatte das Dr.Jazz-Trio auf Wunsch von Matthias Weise ins
Programm aufgenommen, dem Mann mit den "Wahnsinnshänden am E-Bass". Dessen Stunde schlug im Anschluss
beim Free-Jazz-Stück "B-A-C-H": Fünf Minuten einfach nur drauflosspielen, sich dem schnellen und
lauten Jazz einfach hingeben - das hätten auch mehr als fünf Minuten sein dürfen.
Im abschließenden "Best of in Final" erwies sich einmal mehr, wie sehr das Publikum vor allem die
jazzige Interpretation der bekannten "Klassiker" mag. Schon die Ankündigung dessen wurde mit Beifall
bedacht. Noch einmal wurden Bach und Mozart zitiert, zeigten Schömbs, Weise und Schmidt im perfekten
Zusammenspiel, wie lustvoll es sich zwischen den Ufern der Klassik und des Jazz wandeln lässt.

Das Dr. Jazz-Trio - Dr. Wolfgang Schömbs am Piano, Matthias Weise am Bass und Uwe Schmidt am Schlagzeug - überzeugte am Samstag im Schloss einmal mehr mit einem grenzüberschreitenden Musikerlebnis.
| Foto: Berit Seeger, Goslarsche Zeitung |
Artikel: Berit Seeger
GZ von Di., 02.11.2004 |
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