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Stefan Ludwig:
Transrationale Intelligenz und neue
Erkenntniswege
Paartherapeut Stephan Ludwig sprach auf Einladung des Kulturklubs über
Möglichkeiten und Chancen der "Familienaufstellung"
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Dieser im Volksmund doch sehr
geläufige Satz ist - geht man nach den Grundlagen der "Familienaufstellung" - sehr verkürzend,
wenn nicht gar falsch. Wie weit genau der Apfel vom Stamm fällt, dies ist die eigentliche Frage, die
den Ansatz vielleicht eher treffen würde. Keine leichte Kost also, die Stephan Ludwig auf Einladung
des Kulturklubs servierte.
Rund 120 Zuschauer ließen sich am Freitagabend vom Paartherapeuten Ludwig in die Welt der
"Familienaufstellung" einführen. Die geht, kurz gesagt, davon aus, dass jeder Mensch ein Bild seiner
Herkunftsfamilie im Inneren trägt. Dieses prägt nicht nur das Verhältnis der
Familienmitglieder untereinander, sondern auch das ganz eigene Lebensgefühl. Durch das Verfahren der
Aufstellung sollen Probleme veranschaulicht, von den Patienten nachvollziehbar "bearbeitet" und letztlich
überwunden werden. Ein Ansatz, der sich in letzter Zeit zunehmender Beliebtheit erfreut, gleichzeitig
aber polarisiert und auch nicht ganz ungefährlich ist, wie Ludwig weiß. "Die Aufstellung kann
ganz sicher Gutes bewirken, sollte aber nur von Fachkräften durchgeführt werden".
Ein Grundprinzip der Familienaufstellung ist das räumliche Bild als Metapher für
Beziehungszusammenhänge. Der Patient stellt die Mitglieder seiner Familie dabei im wahrsten Sinne des
Wortes auf. Kann die Mutter gut mit dem Sohn, stehen sie beisammen, schauen sich an. Ist das
Verhältnis zum Vater eher schlecht, so wird dieser auch außerhalb platziert. Nähe und
Distanz spielen bei der "Familienaufstellung" eine gewichtige Rolle.
Gearbeitet wird dabei nicht mit den tatsächlichen Familienmitgliedern - sie werden durch
Stellvertreter ersetzt, die im Laufe des Verfahrens völlig vorurteilsfrei ihre Empfindungen
beschreiben können. Überraschendes Ergebnis: Diese Empfindungen stimmen meist mit den vorhandenen
Stimmungen in der "echten" Familie überein. Dies bewies auch die "Live-Aufstellung", die Ludwig im
Anschluss an seinen Vortrag vornahm. Wildfremde Menschen spürten plötzlich Wärme oder
Abneigung wenn sie aufeinander zugingen, hatten den Wunsch sich in die Arme zu nehmen. "Natürlich ist
das so", kommentierte der Leiter des Hamburger Integralis-Instituts selbstbewusst, als sich die
Testpersonen über den Erfolg und die Authentizität der Vorführung wunderten.
Rational zu verstehen ist so etwas eigentlich nicht. Soll es auch nicht, meint Ludwig und spricht von
"transrationaler Intelligenz" und einem ganz neuen Erkenntnisweg. Gearbeitet werde auf zwei Ebenen. Auf der
"inneren" werden die Probleme geklärt und danach auf die "äußere" (reale) Ebene
übertragen. "Wenn das Innere geklärt ist, heilt das Äußere einfach nach", so
Ludwig.
Dennoch warnt Ludwig davor, die Methode zu überschätzen: "Die Aufstellung ist und wird kein
Allheilmittel. Sie nützt nur demjenigen, der mit einem Anliegen, einer Schwierigkeit den Weg dieser
Therapie wählt". Es war ein Mix aus Psychologie, soziologischen Rollengefügen und Philosophie,
das Stephan Ludwig einfühlsam und teils auch humorvoll skizzierte. Und ein Thema, das bei manchem
Betrachter positive Verwunderung, bei anderen eher Kopfschütteln hervorrief. Polarisierend eben. Und
keine leichte Kost.
Charmant und teilweise humorvoll skizzierte Stephan Ludwig im Schloss die Grundlagen der
"Familienaufstellung".
| Foto: Eike Zenner, Goslarsche Zeitung |
Artikel: Eike Zenner
GZ von Mo., 08.03.2004 |
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