Doppelpass:Fußball darf nicht getanzt werdenDie Kabarettisten Jens Neutag und Martin Maier-Bode zu Gast beim Kulturklub
Fußball ist eine ernste Sache, darüber sollte man keine Witze machen. Vielleicht hatten es Jens
Neutag und Martin Maier-Bode am Sonnabend deshalb zunächst nicht leicht, bei ihrem
Fußballkabarett im Schloss den richtigen Spielfluss zu finden.
Fußball-Comedy ist in der Regel zwischen Wirtshauswitzen und verbalen Blutgrätschen der Kicker angesiedelt: "Egal ob Mailand oder Madrid - Hauptsache Italien." Neutag und Maier-Bode stocherten oft in der Kiste mit diesen überreifen Gags herum. Sie hatten sich auf die Fahne geschrieben, dem Volk die WM im eigenen Land schmackhaft zu machen. Was nicht leicht ist in einer Zeit, in der "die Nationalmannschaft Vogelgrippe hat" und "so schlecht spielt, dass sie bald auf Plätzen steht, die nicht einmal über Feldwege zu erreichen sind". Nun, ja . . . Fußball, Kirche, Politik Ganz langsam jedoch kam Schwung ins Spiel. Zunächst über den Umweg Politik - die ist auch lustiger als Fußball: "Jetzt haben sie Schäuble im Kabinett. Das ist, als wenn Günther Netzer wieder mitspielen würde." Oder Wirtschaft: Neutag konnte sich erinnern, wie der Fußball ihm in jungen Jahren deren Grundregeln verdeutlichte. Bei der "von oben gesteuerten Horst-Hrubesch-Verknappung" der ersten "Panini"-Sammelbildchen lernte er alles über Angebot und Nachfrage. Es kam Stimmung ins Schloss. Neutag und Maier-Bode nutzten ihr Talent und ihre Professionalität endlich für adäquate Gags. Das war vor dem Pausenpfiff mit einem grotesken Ballett losgegangen, dessen Stimmung in die zweite Halbzeit hinübergerettet werden konnte: "Fußball darf nicht getanzt werden, Fußball ist eine Religion." Oder nicht? Man verliere eigentlich den Glauben an den Fußballgott, wenn man die Lieblingsmannschaft - in Maier-Bodes Fall Fortuna Düsseldorf, was nun wirklich ein guter Witz ist - in der Oberliga sieht. Zwar gäbe es Parallelen zwischen Fußballstadion und Kirche: Regelmäßig stehen die Menschen auf und singen Lieder. Aber wenn man am Wochenende hungrig zum Gottesdienst geht, gibt es wenigstens gratis Esspapier. Wohingegen zur gleichen Zeit im Fußballstadion ein enddarmgroßes Stückchen Currywurst 7,50 DM kostet - "und das sind immerhin 15 Euro!" Die Fans und ihre Lieder Neutag und Maier-Bode hatten ihr Spiel gefunden. Zum Beispiel beim Thema "Fankultur". Wie geht man bei der WM auf ausländische Anhänger zu? Freundlich. Nur bei den Engländern könnte man eine Ausnahme machen. Dann das Finale: Fangesänge. Erst wurden sie grandios in ein Rotkäppchen-Märchen verpackt, dann gemeinsam einstudiert: "Scha la la, la la, la la la - uh! uh!" Für den Fall, dass dann doch ein WM-Spiel in Bad Harzburg stattfinden sollte: Hier sind die Menschen seit Sonnabend recht gut vorbereitet.
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