Klaus Manger:Zwischen Oper und HollywoodGoethe-Gesellschaft lädt Jenaer Professor zum Vortrag über die Dramen Schillers ein
Wenn ein Literaturwissenschaftler Schillers Dramen vorstellt, wird manch Leser für sich feststellen,
dass er den einen oder anderen Tiefgang der Dramatik so noch nie erfasst hat. Prof. Dr. Klaus Manger von
der Schiller-Universität in Jena referierte am Montagabend in der Wandelhalle zu drei
ausgewählten Werken Schillers.
Die Goethe-Gesellschaft hatte ihn, nach seinem Besuch im Schiller-Jahr 2005, schon zum zweiten Mal eingeladen, um über den "deutschen Shakespeare", wie Schiller oft genannt wird, zu dozieren. Diesmal war die Veranstaltung eine Kooperation mit dem Kulturklub. Das Stilmittel der Pointe Anhand von drei ausgesuchten Dramen bewies der Gelehrte die ganz eigene Dramatik, die Schillers Werken innewohnt. Schon in den "Räubern", Schillers skandalumwobenem Theaterdebut, macht der Dichter vom Stilmittel der Pointe Gebrauch, die für die deutsche Theaterwelt eine kleine Revolution bedeutete. Auch anhand des "Fiesko" bewies der Professor, wie Schiller mit nur kleinsten Veränderungen der Handlung, zwei vollkommen unterschiedliche Ausgänge des Stücks herbeiführen kann. Geradezu erfüllt von diesem Stilmittel, ist die "Jungfrau von Orleans", das letzte der vorgestellten Schiller-Dramen des Abends. In diesem Stück taucht der "Coup de Theatre", der plötzliche Umschwung in der Handlung, in gleich mehreren Szenen auf und wird von Schiller hauptsächlich über zum Teil sehr umfangreiche Regieanweisungen verdeutlicht. Diese Eigenart Schillers, die Dramatik über direkte Anweisungen an die Darsteller zu überhöhen, werde, so klagte an dem Abend nicht nur der Professor, in aktuellen Bühnenaufführungen nicht immer entsprechend umgesetzt. Gewinnbringender Abend "Schiller liegt irgendwo zwischen der Oper und Hollywood", fasste der Universitätsgelehrte die Position Schillers in der deutschen Literaturgeschichte zusammen. Die rund 80 erschienenen Gäste bewerteten den Vortrag aus der Schillerforschung als sehr gewinnbringend für das eigene Dramen- und Literaturverständnis. Auch der Geladene freute sich, nicht wie üblich vor Studierenden zu sprechen, sondern die Gelegenheit zu haben, seine Erkenntnisse auch außerhalb des Hörsaals zu verbreiten.axl
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