"Die Nibelungen":Mit Leidenschaft nach Rache lechzendKulturklub Bad Harzburg startet mit Hebbels "Die Nibelungen" in die neue Theatersaison 2008/2009
Der unerbittliche Kampf um Liebe, Treue und Blutrache, der am Ende nahezu allen Beteiligten das Leben
kostet, zieht sich in der Schauspielfassung Friedrich Hebbels als tragendes Motiv durch "Die
Nibelungen".
Celino Bleiweiss setzt in seiner Inszenierung deutliche Akzente auf die verzweifelte Absicht Kriemhilds, den Mörder ihres Mannes töten zu lassen. Dass sie in ihrer wahnsinnigen Wut damit ihre eigene Familie ins Verderben stürzt, macht sie zur tragischen Figur des Stückes. Die Wandlung Kriemhilds von der schüchternen, lebensfrohen Königstochter hin zur hasserfüllten Fanatikerin stellt Gabriele Welker leidenschaftlich dar. Ausdrucksstark mimt sie am Schluss die Rächerin, die nach Versagen anderer erst ihrem Gegenspieler, dann sich selbst das Schwert in den Leib stößt. Mord um Mord. Liebe und Intrige Das schlichte Bühnenbild, passende musikalische Untermalung und stilechte Kostüme lenken den Blick des Zuschauers auf die Handlungsschwerpunkte der Inszenierung: Die Liebesgeschichte um Kriemhild und Siegfried und deren schicksalshafte Verkettung mit Gunther und Brunhild, sowie die Intrige gegen Siegfried mit allen Folgen. Die erbitterte Auseinandersetzung zwischen einem starken männlichen und ebenso starken weiblichen Charakter trägt Bleiweiss' Aufführung. Wolfgang Seidenberg gelingt es in der Rolle als Hagen Tronje, dessen Charakter durchgehend glaubhaft darzustellen. Hagen ist bereit, die gepeinigte, in ihrem Stolz verletzte Brunhild zu rächen und zerstört damit das Glück Siegfrieds und seiner Frau. Hinterhältig entlockt er Kriemhild das Geheimnis um die Unverwundbarkeit des Drachentöters, bevor er diesen hinterhältig ermordet. Mit stoischer Gelassenheit trotzt er jeglichen Beschuldigungen von Kriemhild, die sich verzweifelt immer wieder an ihren Bruder, den Burgunderkönig Gunther, wendet - erfolglos. Dieser schweigt bis zum Schluss und ist gefangen in einem Netz aus Solidarität, blinder Treue und Scham. Diese Gefangenheit bringt Daniel Petzuch in seiner Rolle als Gunther trefflich zum Ausdruck. Feicht in Doppelrolle Noch glaubhafter agiert Monika Guthmann als Brunhild. Wild und überzeugend setzt sie ihre Interessen durch, still und apathisch verarbeitet sie ihre Vergewaltigung. Das raue Weib verwandelt sich in eine gebrochene Frau. In einer Doppelrolle zeigt sich Sebastian Feicht eher träge als Hunnenkönig Etzel, dafür glanzvoll als verliebter Recke Siegfried, der mit gewinnender Leichtigkeit das Klischee des mittelalterlichen Helden bedient.
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