Schöne Überraschung:

Nicht überraschend, aber noch schön

"Schöne Überraschung" auf der "Bühne Bad Harzburg" zeigt: Mit Toleranz lebt es sich leichter

In der Theaterpause hörte man es: "Wie nett." "Wie amüsant." "Wie unterhaltsam." Dem Publikum gefiel das Stück. Aber sind Attribute wie "nett", "amüsant", "unterhaltsam" nicht eigentlich eine Beleidigung für ein Theaterstück? Kommt auf den Inhalt an. Eine frische Boulevardkomödie wird gut damit leben können. Für ein Stück mit Tiefgang und Botschaft hingegen wäre es eine Ohrfeige. Was aber, wenn man eine Boulevardkomödie mit Tiefgang und Botschaft vor sich hat, wie am Freitag die "Schöne Überraschung" auf der "Bühne Bad Harzburg"?

Der Inhalt ist rasch erzählt: Susan (Anja Schiffel), Tochter aus gutem Haus, stellt ihren Eltern (Susanne Seidler und Volker Brandt) ihren Freund Peter (Francis C. Winter) vor. Peter ist schwarz - schöne Überraschung Nummer eins.

Außerdem haben die jungen Leute heimlich geheiratet (Überraschung zwei) und erwarten Nachwuchs (Überraschung drei). Zu allem Überfluss ist Peters Mutter Gloria (Mary Thompson) die Geschäftspartnerin von Susans Mutter (Susanne Seidler) - Überraschung vier.

Alles wird gut

Die Eltern sind mit der Beziehung zunächst gar nicht einverstanden. Nicht, dass man Vorurteile hätte. Immerhin arbeiten die Mütter prächtig zusammen. Aber trotzdem. Müssen die Kinder gleich heiraten? Außerdem hatte Gloria auch einmal einen weißen Freund. Sie erlebte Brutalität und Gewalt von Außen. Aber ihrem Sohn Peter zuliebe willigt sie schließlich doch in die Beziehung ein. Alles wird gut.

Und? Was ist das? Boulevard mit Botschaft? Ach ja: gesungen wurde auch noch. Viel und gut, besonders die schwarze Perle des Hauses, Juanita (Joanne Bell) tat sich da hervor. Während Volker Brandt doch mehr der Gelegenheitssänger sein dürfte. Aber er spielt passabel Klarinette. Aber passt das denn alles zusammen? Fisch und Fleisch?

Liebe über Vorurteile hinweg - das ist Stoff, für den es jede Menge tausendmal gesagter Standard-Dialoge gibt. Töchterchen heiratet. Vater: "Mein Baby ist dafür noch zu jung," Mutter: "Sieh es so: Wir bekommen einen Sohn dazu."

Dann das Hin und Her zwischen der selbst auferlegten Weltoffenheit und dem doch viel tiefer sitzenden Schock, dass sie plötzlich im eigenen Haus gefragt ist. "Hätte sie keinen Schweden nehmen können?"

Die schöne Überraschung war das genaue Gegenteil von dem, was der Name versprach. Überraschend war da gar nichts. Am Anfang fragte man sich noch, welche pfiffige Wende die Handlung vielleicht noch nehmen könnte. Möglichkeiten hätte es gegeben. Aber mal tolerant die Klischees überhört, den eher waagerechten Spannungsbogen übersehen und das Schubladendenken vergessen: Natürlich kann ein unterhaltsames Stück auch eine Botschaft haben. Da spricht gar nichts dagegen. Also: zurücklehnen und genießen.

Eine gute Leistung

Denn die schöne Überraschung der "Schönen Überraschung" war, dass der große Teile des Ensembles einen schönen Abend bescherte. Besonders Brandt und Seidler hatten erkennbar Spaß auf der Bühne, ihr Spiel war witzig und authentisch. Dann gab es immer mal wieder ein Liedchen, was gegen die eine oder andere Länge half. Und dazwischen wuchs halt die Botschaft, Toleranz nicht nur zu predigen, sondern zu leben. Das hilft. Auch als Theaterbesucher.

Foto: Holger Schlegel

Das Ensemble der "Schönen Überraschung" (von rechts): Susanne Seidler, Volker Brandt, Thomas Erich Killinger, Joanne Bell, Francis C. Winter, Anja Schiffel und Mary Thompson.

Foto und Artikel: Holger Schlegel, Goslarsche Zeitung von Mo., 19.01.2009

zurück zur Übersicht

Startseite  |  Sitemap  |  Kontakt  |  Impressum
© 2009, Kulturklub Bad Harzburg