Heinz Gröning:

Der schlaue, coole, unglaubliche Heinz

Kabarettist Heinz Gröning begeistert im Schloß das Kulturklub-Publikum mit grandiosem Sprachwitz

Was für ein Mann. Ein richtiges Urviech. Mit harten Muskeln und bohrendem Blick. Mit brutalem Glatzkopf und einer Körperbehaarung, die Waldspaziergänge für ihn zum Abenteuer werden lässt. Wegen der Jäger. Dann ist der Typ auch noch Dichter! Sensibel und wortgewandt. Nein, nein, so etwas kann es nicht geben. Nicht in diesem Leben. Aber wenigstens auf der Bühne: Der Kulturklub präsentierte der Welt am Samstag so einen unglaublichen Kerl: den Kabarettisten Heinz Gröning.

Gröning sieht - je nach Geschmack - gut aus. Als "kaukasischer Karussellbremser" wird er angekündigt. Wer auf solche Äußerlichkeiten steht, wird nicht enttäuscht. Und er ist ein ganz, ganz übler Macho. Alles in allem: eine erotische Fantasie, bei der sich die Frauen wahlweise die Finger lecker oder in den Hals stecken.

"Wenn ich du wäre…"

Nun ist diese Rolle auf einer Kabarettbühne nichts Besonderes, Witze über Frauen und Männer gibt es viele. Aber von Heinz hört man Gedichte, Lieder und Pointen, die so lässig sind, dass man sie am liebsten alle aufschreiben und auswendig lernen möchte, um demnächst genauso cool rüberzukommen. Wie wäre es beispielsweise, vor den Kumpels mit der Frau anzugeben, die einen neulich ansprach und die so gut aussah, dass man erst Angst hatte, man sei mit ihr verwandt? Oder mal dem niedergeschlagenen Freund mit einem aufmunternden "Wenn ich du wäre, würde ich mir wünschen, wieder ich zu sein" verbal auf die Schulter klopfen? Und der heimische Eherochen freut sich sicherlich auch, wenn man auf die Frage "Schatz, macht mich die Hose dick?" antwortet: "Nein, die Hose trifft keine Schuld…"

Heinz Gröning experimentiert mit Worten und Zusammenhängen. Gerade bei Gedichten kommt das unglaublich gut. Die Verse rattern mit einer solchen Geschwindigkeit vorbei, dass man Mühe hat, zu folgen. Was aber auch nicht so schlimm ist, weil man sich so tierisch über die Wortmelodie freut.

Apropos tierisch: Schon mal tierischen Hunger auf Salat gehabt? Das ist auch so ein Ding von Heinz - unglaublich schlauen Sprach-Spielchen. Als Solo-Wort ("Sauerkrautzwiebelsaftschorle") oder als saukomische Lebensweisheit: "Einer der trank starb, einer der nicht trank starb auch. Aber der, der nicht trank starb früher, weil der, der trank ihn überfuhr…"

Ellen und die Sardellen

Und dazwischen immer wieder: Gedichte, Lieder, Gedichte und Lieder - "ich bin halt ein sensibler Poet, gefangen im Körper eines stark behaarten Lkw-Fahrers". "Alles, was sich auf Ellen reimt" zum Beispiel, ist ein Lied, das Heinz einst für seine Freundin Meike schrieb. Häh? Ja. Auf Maike reimt sich nämlich nix. Auf Ellen aber stellen, bellen, aufhellen, Forellen, Sardellen… Genug für ein herziges Heinzi-Lied.

Heinz ist klasse, es gibt ihn sogar doppelt. Zum einen ist da der normale Heinz, das "sensible Windspiel", der Poet, der halt ausschaut wie ein Dorfschlachter. Und der lässt nach Jekyll-and-Hyde-Manier ab und zu sein ungezügelte Ich raus. Eben den "unglaublichen Heinz", dessen Namen man aber nur aus zusammengebissenen Zähnen und gespannten Mundwinkeln hervorpressen darf: Heinnnzzzzzzz. Genau wie heiiiiisssssss! Zissssssch....! Das Urviech, das sich Frauen wünschen. Und bei dem sich Männer wünschen, Frauen zu sein. Meint Heinz. Vielleicht hat er sogar Recht. Einfach unglaublich...

Heinz Gröning ; Foto: Holger Schlegel

Ein Poet gefangen im Körper eines (vom Kopf abgesehen) stark behaarten Lkw-Fahrers: der unglaubliche Heinz Gröning.

Foto und Artikel: Holger Schlegel, Goslarsche Zeitung von Di., 01.06.2010

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