Stefan Bauer:

Der kuschelige Puschel und die Sahneschnitte

Kabarettist Stephan Bauer plaudert vor 300 Schlossgästen über seine Beziehung zur Sahneschnitte Sina und vieles andere, was ihn bewegt

Der Bauer war da. Und der Kulturklub Bad Harzburg hatte ein ausverkauftes Bündheimer Schloß. "Warum heiraten?", mit der Fragestellung kriegt man eben rund 300 Leute. Und mit dem Bauer, Stephan Bauer, der sie kabarettistisch beantworten will.

Liebe, Sex und Selbstkritik. Wenn ein 40-Jähriger eine 25-Jährige hat, ist die Dreierkombi wohl Dauerthema - für ihn. Ein verwestes, runzeliges Wrack sei er, Sina eine Sahneschnitte. Leidet sie an Geodomie? Was? Hat sie den Hang zu Sex mit Landschaften? Na, so schlimm ist es ja wohl um Stephan Bauer nicht bestellt, nicht wie bei Reiner Calmund. Trotzdem sieht er bei sich Ähnlichkeiten zum Michelinmännchen - siehe Film vom Liebesspiel mit Sina.

Sein Melittamann

Eine Kamera im Schlafzimmer, so, so. Sina will doch einen Spiegel. Woraufhin Stephan gleich ein Abo bestellt. Verstanden? Viele Lacher aus dem Publikum, einige spät, andere noch später. Ja, das Verständnis, das ist auch nicht unbedingt da zwischen dem alten Mann und der jungen Frau: Seine "The Cure", seine "Sade", ihr Facebook. Stephan Bauer schweift in die Werbung ab: die Tante mit der grünen Flüssigkeit, der Melittamann. Er singt das Quenchlied, macht den Duracelhasen, "pfffrrrrr". Das war. Und heute? Da kriegt er von ihr eine Handy-Kurzbotschaft: Doppelpunkt, Bindestrich, Klammer zu. Hä?

Sina, die Bankangestellte mit dem Halbtagsjob - sie arbeitet 12 Stunden -, die schafft ihn, den Künstler. Wenn er was für sein Selbstbewusstsein tun will, indem er morgens den großen Bauer auf den Frühstückstisch stellt, tauscht sie den gegen einen Fruchtzwerg aus. Stephan Bauer fühlt sich arm, alt, dick, hässlich. Bedauern bekommt er von den Schlossgästen: "Ooooo...". Nicht nur einmal funktioniert die Mitleidsmasche, fühlt sich manch einer wieder in den Beschreibungen des Kabarettisten und ist froh, dass der das alles von und über sich sagt. Da geht es oft um Sex. Muss es ein Noppenkondom sein, bastelt es sich Stephan Bauer selbst - mit tief gefrorenen Erbsen. Ein Vibrator im Alter? Unnötig. Wenn die Hand anfängt zu zittern, einfach nur dran halten. Statt Nashornpulver die Mischung fünf Viagra plus zehn Redbull. Ein Bekannter hat das probiert. Der hat's überlebt, seine Partnerin nicht.

Spricht Stephan Bauer über die Tierliebe der Frauen, kriegt er eine Kindchenstimme. Er ist eben eifersüchtig, zumal seine Exfrau vegan lebt. "Wenn man Tiere nicht essen darf, warum sind die dann aus Fleisch?", seine Frage. Er hat Wurst mit Gesicht im Kühlschrank, Sina eine kackende Nacktrolle auf vier Beinen, einen Mops. Der bringt ihre Freundinnen in Verzückung. Wieder kriegt Stephan Bauer seine Kindchenstimme und lästert: "Die sind dann kurz vorm Milcheinschuss".

Sie hat einen anderen

Wie ist das denn nun mit Sina und ihm und der Ehe? Oha. Er hat da so einen Verdacht: Sina hat einen anderen. Stephan Bauer wagt einen Blick in die Zukunft, ins Jahr 2016. "Mir geht's nicht so wahnsinnig gut." Vom Publikum "ooooo...". Sina hat ihn verlassen. Obwohl sie alles probiert haben: Brause, Reizstrom und Improvisationsspiel. Sein Fazit: "Wer Frauen versteht, kann auch durch Null teilen.

"Er versucht die Machonummer, kauft Zahnbürsten mit den härtesten Borsten. Nur: "Ich bin mehr so der kuschelige Typ, bin so'n Puschel." Und er wird jünger im Laufe des Abends: 40, 37, Mitte 30, 32, 29, 25. Am Ende nach ganz viel Applaus und einer Zugabe lädt er die Gäste zum Wiederholungsbesuch ein: "Vielleicht versteht ja dann jemand den Spiegel-Witz..."

Stephan Bauer ; Foto: Angela Potthast

Der Puschel Stephan Bauer wird immer jünger, bastelt Noppenkondome mit tiefgefrorenen Erbsen selbst, singt das Quenchlied und sammelt Mitleids-Ooos vom Publikum.

Foto und Artikel: Angela Potthast, Goslarsche Zeitung von Di., 13.11.2012

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