Mark Benecke:

Bluttränen sind bloß Fäulnis-Saft

Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke bringt Geschenke für die Gäste mit: Knopfzellen, Gruseliges und Knicklichter

Wundertüte öffne Dich: Krabbelnde Fauchschaben und unbenutzte Knopfzellen spuckt sie aus. Die Insekten als Fotomotiv, hat sich Dr. Mark Benecke so gedacht, und die Batterien für die Gäste zum Mitnehmen. Die hatte der Kriminalbiologe über und mal eben ins Bündheimer Schloß mitgenommen, wohin ihn der Kulturklub Bad Harzburg geholt hat.

Für alle Gäste reichen die Mitbringsel aber nicht. Das Schloß ist voll, so was von. Dafür sacken alle was anderes ein - Wissen darüber, was nämlich Vampir-Leichen sind. Und Bilder von Toten, die von manchen für Untote gehalten werden. Warum, erklärt der Doc. Auch, wie die sogenannten Vampir-Zeichen in Erscheinung treten - tatsächlich, rein biologisch.

Der Schnell-Redner

Vorher wird geplaudert. Der Wissenschaftler erzählt vom nicht im Fernsehen veröffentlichten Film "Rest in peace", über Silikon zum Konservieren von Spuren - Super-Zeug, weil es an nichts haftet und zum Beispiel Haut so detailliert abbildet, dass jede Narbe, jede Falte zu sehen ist. Während der Doc im Plauderfluss schwimmt, meldet sich ein weiblicher Gast. Die Bitte an ihn, doch etwas langsamer zu sprechen. Kann er nicht, bietet der Dame an, sich in der Pause das Eintrittsgeld zurückzuholen, und spricht weiter. Über seine Freiberuflichkeit, in der er Menschen zusammenbringt. Piercer und Anzugträger beispielsweise. Über seine aktuellen Impressionen von Bad Harzburg.

Ja, er ist wirklich schnell. Allerdings darf er das: Er muss ja so viel Zeug loswerden. Und er kann das so gut - Wissenschaftliches schnoddrig und einleuchtend. Im zweiten Teil nach der Pause scheint er etwas gezügelter. Scheint. Offensichtlich haben sich lauschende Ohren und verarbeitende Hirne im Publikum an die Geschwindigkeit des Dr. Mark Benecke schlichtweg nur angepasst. Vampir-Leichen hat sich die Zuhörerschaft ausgesucht aus dem Themen-Spektrum des Doc. Filme kennt jeder. Und die Zeichen, die Vampire als solche identifizierbar machen, ebenso. Wirklich? Der Mann aus Köln zeigt Leichen-Fotos, lässt die Gäste deuten - Stamm-Hörer sind gelehrig, wissen viel, antworten richtig - und er löst letztlich komplett auf.

Die wahren Zeichen

Die Fülle des toten Körpers: Er hat sich nicht mit Blut anderer vollgesogen, er ist auch nicht durch den Odem des Teufels aufgepustet. Es ist der Fäulnis-Prozess im Inneren des Toten, der den Körper aufbläht. Das "Blut" am Kinn, an den Augen: Ein Gemisch aus Blut und Fäulnisflüssigkeit sucht sich den Weg hinaus durch den Mund. Liegt die Leiche, läuft der Liquor zu den Augen, sammelt sich, rinnt über die Stirn am Kopf hinunter und bildet die sogenannten Mephisto-Brauen.

Die langen Fingernägel: Die Haut hat sich etwas zurück gezogen, und der Mensch hat sich die Nägel zu Lebzeiten ewig nicht mehr geschnitten. Die "neue" Haut: Die oberste Schicht ist leicht grau, nicht mehr so stabil, reißt auf. Die darunter ist zwar rosig, aber nicht neu, Fäulnis-Blut-Flüssigkeit schimmert eben nur durch.

So ist das mit Vampir-Zeichen. Das grelle Licht der Wissenschaft nimmt schon was vom Mythos. Aber wehe, wenn man doch an Untote glaubt, solche nachts bei Kerzenschein sieht..."und der Kauz fliegt vorüber, schuhuuuu", dann ist die Angst wieder da. Für die Gäste hat Dr. Mark Benecke daher noch ein Geschenk: Anti-Vampir-Knicklichter und den Biologen-Satz "Keine Angst, weder werden Sie verfaulen, noch von Vampiren heimgesucht."

Mark Benecke ; Foto: Angela Potthast

Auch eine Möglichkeit zur Erinnerung: Dr. Mark Benecke (re.) verewigt sich auf Mareike Krügers Leinenschuh.

Foto und Artikel: Angela Potthast, Goslarsche Zeitung von Di., 08.05.2012

zurück zur Übersicht

Startseite  |  Sitemap  |  Kontakt  |  Impressum
© 2012, Kulturklub Bad Harzburg