Tim Fischer:

Ein Abend mit der großen Diva

Chansonnier Tim Fischer bezaubert im Schloß mit einer Zarah-Leander-Show

Eine Revue ohne alles. Kein Flitter, kein Glitter, kein Pomp. Nur zwei Männer, ein Flügel und etwas Licht. Und das soll eine Revue sein? Das geht? Das geht - wenn einer der Männer Tim Fischer ist.

Der Chansonnier gab am Samstag beim Kulturklub im Bündheimer Schloß (begleitet vom Pianisten Rainer Bielfeldt) eine mit stehenden Ovationen bejubelte Show. Eine Show um und irgendwie auch mit Zarah Leander. Ohne Flitter. Und Glitter. Und ohne Kleid.

Denn wer hinter einem Abend mit Tim Fischer eine billige Travestienummer mit mittelmäßigem Gesang und grässlichen Kostümen wähnt, weiß nicht, wie die Welt sich dreht. Fischer kommt zwar mit unverhohlen homoerotischem Habitus daher, ist aber keine billige Showtunte.

Ein kleines zartes Kerlchen im bis zum Bauch ausgeschnittenen Samtoverall betrat die Bühne - und wurde zur großen Diva. Aber die äußere Erscheinung, die großen Gesten mit den dünnen Ärmchen, das Verzerren der grellrot geschminkten Lippen, das Klimpern der in fettem Türkis getränkten Augenlider - das ist nur die eine Seite des Tim Fischer. Die andere der Gesang. Und der geht, egal ob man nun Zarah Leander mag oder nicht, durch Mark und Bein und von da ins Herz.

Da wurde natürlich jedes "r" gerrrrrollt, dass es klang wie ein veritabler Getriebeschaden. Aber genau so sprach und sang sie ja halt, die schwedische Diva.

Doch es ging am Samstag nicht nur um hübsch anzuhörenden Effekte und schöne Lieder. Ein wenig Geschichtsunterricht gab es gratis dazu. Was allerdings auch sinnvoll war. "Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh'nů" - was wenn nicht das ist die Hymne der Leander. Aber das Lied hat auch den ganz bitteren Beigeschmack des Dritten Reiches. Fischer ging geschickt auf Distanz, denn er schob sofort ein Lied von Georg Kreisler nach. Ein gelungener Kontrast und ein deutliches Zeichen.

Doch im Vordergrund stand die Show, die Unterhaltung. Fischer schwelgte in der Zarah-Leander-Musik und das Publikum schwelgte gerne mit. Dazu gab es Lieder, die zum Stammrepertoire Fischers gehören und die er der Sängerin einfach in den Mund legte. Und siehe: Es passte. Sie ließ sich einfach nicht verhehlen, die Seelenverwandtschaft zwischen der einen Diva und der anderen.

Tim Fischer ; Foto: Holger Schlegel

"Nur nicht aus Liebe weinen, es gibt auf Erden nicht nur den einenů". Doch. Es gibt nur den einen Tim Fischer. Er bezaubert (unterstützt von Rainer Bielfeldt am Klavier) das Publikum im Bündheimer Schloß mit einem wunderbaren Abend rund um Zarah Leander.

Foto und Artikel: Holger Schlegel, Goslarsche Zeitung von Mo., 04.06.2012

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