Halpern & Johnson:

Überraschung am Grab der Geliebten

"Halpern & Johnson" als erstes Stück der Saison - Bühne Bad Harzburg verschenkt Rosen

Pikant, pikant, was mit "Halpern & Johnson" am Freitagabend im Kursaal über die Bühne Bad Harzburg ging. Das Schauspiel Lionel Goldsteins, inszeniert vom Ernst-Deutsch-Theater Hamburg, war kurz nach Beginn seiner Tournee mit inhaltlich Knisterndem und schauspielerisch Bewundernswertem in der Kurstadt Zwei Männer, eine Frau. Beide liebten sie, sie liebte beide. Und sie führt beide an ihrem Grab zusammen: Halpern, dargestellt von Klaus Mikoleit, und Johnson, gespielt von Friedhelm Ptok. Das Grab ist ein auf großer Fläche platzierter Erdhaufen. Halpern steht schon da, als Johnson kommt. Halpern weiß von Johnson rein gar nichts, Johnson über Halpern Detailliertestes seiner zurückliegenden 50 Ehejahre. Halpern nennt seine verstorbene Frau Flo, für Johnson war sie Florence. Warum? Was hat es auf sich mit dem fremden Mann? Er will es erzählen.

Verletzte Gefühle

Halpern geht, Johnson bleibt. Musik. Das Bühnenbild verändert sich: Zwei Bänke, eine Mülltonne werden hereingetragen, der Erdhaufen wird weggefegt. Johnson hat für das Treffen mit Halpern ein Picknick vorbereitet. Schwer verdaulich ist das nicht, vielmehr das, was Johnson ihm zu sagen hat. Der kennt Florence sehr lange und sehr gut, hatte keine klassische Affäre mit ihr, während sie mit Halpern verheiratet war. Aber, aber: Halpern ist getroffen, fühlt sich betrogen.

Klaus Mikoleit gibt ihm Wut und Fassungslosigkeit, die ihn aufstehen, sich setzen lässt. Friedhelm Ptok verleiht seinem Johnson Mitgefühl. Auch er steht auf, setzt sich wieder. Zwei Männer, eine Frau, zwei unterschiedliche Ansichten über die Frau. Das bietet Zündstoff für Zoff. Friedhelm Ptok schickt seinen Johnson in Ungeduld und Wut, aber leise. Klaus Mikoleit belegt seinen Halpern mit Wut und Ekel, und das laut. Halpern zu Johnson: "Ich mag Sie nicht." Johnson zu Halpern: "Schade, Mister Halpern, ich mag Sie." Der beschimpft ihn gar als "pompösen blöden Arsch." Und Flo als Schlampe, sich selbst als knittrigen Mann mit leckem Zipfel. "Tropf, tropf, tröpfel...". So einer war er nicht immer. Und nicht immer war er seiner Flo treu. Das bringt Johnson auf. Friedhelm Ptok verschafft ihm Lautstärke und unflätige Äußerungen. Und muss letztlich sagen, dass Florence von Halperns Verhältnis wusste und somit er ebenfalls.

Seltene Freundschaft

Johnson geht, Halpern bleibt. Wieder Musik, wieder verändert sich das Bühnenbild: Bänke und Tonne runter, Grabstein rauf - dorthin, wo zu Beginn der Erdhaufen war. Wieder begegnen sich die Männer an Flos letzter Stätte zu einer Zeremonie: "Das heute ist für Ehemänner", sagt Halpern zu Johnson. Hinter ihnen liegt die Aufarbeitung ihrer Beziehung zu Flo(rence) - und ihrer eigenen. Die von ihnen geliebte Frau hat die sie liebenden Männer zu Freunden gemacht.

Ein bisschen Folter sei das wahre Fundament für eine dauerhafte Bindung..., hört das Publikum noch und dankt Klaus Mikoleit sowie Friedhelm Ptok für das so gefühlvolle Beherrschen ihrer Rollen, für den Esprit, für den Witz, den sie Halpern und Johnson eingehaucht haben, mit innigem Applaus. Zum ersten Bühne-Bad-Harzburg-Stück der Saison bekamen dann alle Zuschauerinnen Rosen vom Kulturklub.

Halpern & Johnson ; Foto: Angela Potthast

Minimalistisch: Ein Bühnenbild, das Konzentration auf die Darsteller lässt. Hoch emotional nämlich geben sie ihren Figuren das, was sie umtreiben soll.

Foto und Artikel: Angela Potthast, Goslarsche Zeitung von Di., 30.10.2012

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