Ole Lehmann:

Die Schwuchtel aus dem dritten Stock

Kabarettist Ole Lehmann zeigt im Bündheimer Schloß, wie man auch flache Witze amüsant rüberbringt

Natürlich hat niemand geglaubt, er würde nach einem einzigen Abend beim Kulturklub reich und sexy nach Hause gehen. Jedenfalls nicht reicher und sexier, als er gekommen ist. Aber wann ist man das eigentlich? Reich? Und trotzdem sexy? Ein Mann wollte das am Samstagabend beantworten: Ole Lehmann. Kabarettist, Sänger und Tunte. "Tunte, Tunte, schwul, schwul!" Damit das gleich mal klar war: Die Worte sollten an diesem Abend oft fallen. Ole Lehmann machte überhaupt kein Gewese drum, im Gegenteil, die Homosexualität war der rote Faden, der sich durch sein Programm zog.

Anna-Lena im Buffet

"Kommt ein Schwuler nach Berlin und fragt einen Taxifahrer…" -nun gut, so könnte auch ein schlechter Herrenwitz anfangen, aber egal - steigt der Schwule also in das Taxi und fragt den Altberliner Taxifahrer, wo man denn hier mal so richtig schön schwul ausgehen könne. Zack, findet er sich in einer Herrenkneipe in Hohenschönhausen wieder, voller kräftig gebauter Männer mit rechter Gesinnung. Also schnell wieder raus.

Ist das witzig? Nein. Genauso wenig wie Witze über alternative Mütter, die im Szene-Café ihre Anna-Lenas auch mal durchs Kuchenbuffet krabbeln lassen. Tausendmal gehört.

Doch die Kulturklubgäste im Schloß jubelten vor Vergnügen. Weil sie alle einen einfachen Humor haben? Nein. Weil Ole Lehmann gut ist. Die Hälfte seines Programms bestand zwar aus flachen Spässchen. Aber die Verpackung machte es. Niemand kann so schön wütend werden wie Ole Lehmann, sich Sekunden später über eine Pointe freuen, um sich gleich wieder tüchtig aufzuregen. Eben über Taxifahrer und Alternative-Mütter. Oder auch mal über das Leben jenseits der 40 - "…da wird bei der Party die Musik leiser gedreht, weil man sich ja sonst nicht unterhalten kann". Sehr unbeliebt sind auch Bäckereifachverkäuferinnen ("Dreckspack") die ihm morgens mit den Worten begrüßen, "ach, die Schwuchtel aus dem dritten Stock". Wie man sich da wehrt? Man lernt, sich zu benehmen wie Louis de Funès: "Keine Schrippen mehr? Was? Oooch! Mmmm! Neiiiiiin!"

Aber noch einmal zurück zum Thema: Reich sein. Sexy sein. Wie geht das denn nun? Tipp für Männer: Morgens mal roten Lippenstift auftragen und dann ab zur Arbeit auf der Baustelle. Ob's sexy macht, liegt im Auge des Betrachters. Auf alle Fälle macht es Spaß.

Schwules Outfit als Patentrezept für Männer - ein großes Thema. Leider, leider machen das die Heteromänner heutzutage schon von alleine. Das sieht meist scheiße aus und geht gern mal in die Hose - wo sich ja mittlerweile nicht mehr nur die Schwulen rasieren. Was es für Ole so schwer macht, in der Sauna zu flirten. Denn man kann Hetero und Homo gar nicht mehr unterscheiden.

In diese Liga passen auch Schlafzimmerspässchen über "kleine Würstchen" und "kurze Kabel". Da bekommt doch der Satz "Humor unter der Gürtellinie" ein ganz neues Gewicht. Und doch ist Ole Lehmann klug, witzig, amüsant, erlebenswert. Mal charmant, mal böse, mal geschmeidig mal zickig, immer irgendwie ziemlich tuntig, aber nie übertrieben blasiert.

The Power Of Love

Außerdem hat er ja auch noch gesungen. Das waren die ganz großen Momente des Abends. 80er-Jahre-Songs von The Cure, Marillion, George Michael. Auch das alles irgendwie schwul, was ja aber zur 80er-Jahre-Kultur passt. Bis hin zum großen Finale "The Power Of Love" von Frankie goes to Hollywood. Eine Gänsehautballade, ein "Warm-ums-Herz-Lied" für Feuerzeugschwenker. Das war sein Tipp sexy zu werden: Gute Musik hören.

Ole Lehmann ; Foto: Holger Schlegel

Boy George? Nee. Ole Lehmann. Im verwegenen 80er-Jahre-Outfit unterhielt er das Publikum. Besonders die Gesangsnummern schlugen ein.

Foto und Artikel: Holger Schlegel, Goslarsche Zeitung von Di., 27.11.2012

zurück zur Übersicht

Startseite  |  Sitemap  |  Kontakt  |  Impressum
© 2012, Kulturklub Bad Harzburg