Werner Momsen:

Krise heißt auf Norddeutsch „Nützt scha nix“

„Werner Momsen ihm seine Soloshow“ im fast ausverkauften Schloß: Gäste schicken Bravorufe zur Klappmaulpuppe und zum Spieler

"Hier hin, hier hin“, sagt er. Werner Momsen will, dass die Menschen ihm in die Augen sehen, nur in seine, nicht in die von Detlef Wutschik. Obwohl sie ja eins sind – zwei in einer Hose: Klappmaulpuppe vorne und Puppenspieler hinten. Sie waren am Samstagabend auf Einladung des Kulturklubs Bad Harzburg im Bündheimer Schloss und belustigten die Gäste mit der „Werner Momsen ihm seine Soloshow“ so sehr, dass Zugaben fällig wurden.

Die Berge mag er nicht

Der Momsen kommt aus Hamburg, also aus Norddeutschland. Das mag er, die Berge nicht. Überhaupt: Im Norddeutschen klingt alles besser. Weltwirtschaftskrise heißt „Nützt scha nix.“ Außerdem redet der Norddeutsche nicht so viel, der Mann besonders wenig. Sagt der eine „Na...“, kriegt er vom anderen die Antwort „Ja, muss...“. „Das ist doch für die nächsten vier Stunden genug gesagt“, meint Werner Momsen.

Er aber ist da eine Ausnahme. Er plappert, plappert und plappert. Ereifert sich über das Wetter, läuft hin und her, macht große Schritte. Der Sommer...der meteorologische sei seit vier Wochen vorbei. „Psychologisch hat der doch nie angefangen...“ Die Straßen..., in deren Schlaglöchern würden schon die Cabrios verschwinden. Werner Momsens linke Hand wandert in die linke Hosentasche, wieder heraus und kratzt den weißen Kopf. Die Kreuzfahrer, mit denen er unterwegs war..., „die haben fotografiert, bis die SIM-Karte glühte“. „Mal ehrlich“, sagt Momsen, und setzt an, über einen Endneunziger und seine mehr als 200 Bilder zu lästern: „Wann soll der sich die ansehen?“. Seine Botschaft an die Gäste: „Sie müssen die Bilder hier aufnehmen“, die Momsenhand legt sich aufs Momsenherz. An die Herzen der Schloßgäste gehen seine Lieder: „...ist da wer im Sanitär?“, singt er aus seinem Baumarktzyklus nach Johnny Hills „Ruf Teddybär eins-vier“. In Liebe zu seiner Lisbeth ergießt er sich mit dem eingedeutschten „Truh laaf“ aus dem Film „Die oberen Zehntausend“.

Die Wahrheit muss raus

Und dann, das geht irgendwie auch ans Herz, gesteht er den Gästen etwas: Dass er sie belogen habe, dass er das Erzählte nicht selbst erlebt habe, sondern dass er nur dabei gewesen sei. „Ich bin eine Puppe – jetzt ist’s raus.“ Erlebt habe alles „er“, Detlef Wutschik. Er steht in komplett schwarzer Montur hinter Momsen und steckt mit seinen Händen im Momsen. Das ist dem nicht so ganz angenehm. Seine Selbsthilfegruppe „Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?“ soll helfen. Trotzdem sagt der Momsen: „Ich bin ’ne Puppe und bin’s gerne.“ Eine, die Frauen mag, Menschenfrauen, – und das Schlosspublikum: „...lieb’ hab’ ich Euch...“ Bravorufe und lang anhaltenden Applaus zeigen dem Momsen und dem Wutschik, wie gerne die Gäste sie haben. Schließlich hat der Wutschikmensch der Momsenpuppe mehr als zwei Stunden lang Leben gegeben. Ganz klar, in wessen Augen zu schauen war.

Werner Momsen & Detlef Wutschik ; Foto: Angela Potthast

Vorne Momsen, hinten Wutschik. Puppe und Spieler stecken in einer Hose, singen Lieder, regen sich auf, erzählen Schmuddelwitze, legen ein Geständnis ab. Beide oder nur einer von beiden?

Foto und Artikel: Angela Potthast, Goslarsche Zeitung von Di., 09.10.2012

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