Thomas Reis:

Das kleine Liberal ist eine süße Schmusesau

Kabarettist Thomas Reis mit seinem Programm "Reisparteitag" beim Kulturklub Bad Harzburg

Eine Partei will er gründen und hält schon mal den Parteitag ab. Thomas Reis hat sich dafür am Samstagabend das Bündheimer Schloss ausgesucht. Der Kulturklub Bad Harzburg hat es ihm organisiert. Fast 250 Gäste hatte er - beim "Reisparteitag".

Was er so von dem Leben hält, was von den Deutschen, was von der Politik, kommt aus dem Kabarettisten Thomas Reis heraus in langen und in kurzen Abschnitten. Er schaut ins Grüne, Gelbe, Rote, ins Braune und ins Schwarze auch. Er lässt den Honecker und den anderen Mann mit dem H. hören, die Frau Angela Merkel, den Herrn Kohl, Bernhard Grzimek.

Über Guido Westerwelle, den FDP-Mann, kotzt er sich aus: Der will seit seinem 50. nicht mehr Guido genannt werden. Wie dann? "GPunkt?" Den Gelben und seine Partei überhaupt packt er verbal gerne am Schlafittchen. Den Thilo Sarrazin ebenfalls. Er habe ja einen Tumor gehabt. "Der musste raus, denn der war gutartig."

Thomas Reis sagt Böses. Als Kabarettist ist ihm das erlaubt, muss er das. Wer sonst sollte das dürfen? Er spricht dem einen oder anderen Mensch wahrlich aus der Seele. Das Lachen der Gäste bestätigt ihn doch. Ihr Raunen zeigt ihm an, dass er ab und an recht weit geht: Es habe nicht jeder den Mut von Möllemann, obgleich bisweilen "Suizid ein Segen ist". Für Karl-Theodor zu Guttenberg sei er zu spät gekommen. Überschreitet Thomas Reis Grenzen? Er sagt es, wie nicht nur er es sieht, eben zugespitzt, wie mancher es sich selbst nicht trauen würde. Er stellt heftige Vergleiche auf: Über sexuellen Missbrauch zu reden sei viel lustiger als über Finanzkrisen. Das Olympiastadion, das habe der Mann mit dem H. gefüllt genau wie der aktuelle Papst. Silvio Berlusconi beschimpft er als milanesischen Mösewicht, Kate Middleton als Prinzenrolle. Bei Typen wie Sarrazin sehnt er sich nach Genmanipulation. Und in Altenheimen macht er immer mehr offene Stellen aus. Eine ökonomische Suchmaschine? Nicht Google, sondern die Stasi. Und überhaupt: Der Darwinismus sei widerlegt. Denn die Amis stammten nicht vom Affen ab, sondern vom Doppelwhopper.

Er hält lachende Bärchenwurst für zynisch, den Namen Sabine Leutheusser-Schnarrenberger für geil und die FDP, das kleine Liberal, für eine süße Schmusesau. Sich selbst bezeichnet Thomas Reis als monomanisch, festkochend und jemanden, den manchmal das humanistische Tourette-Syndrom überkommt: "Man muss als Kabarettist immer so schlimme Sachen sagen, dabei liebe ich Euch..."

Worte neu zusammengestellt, Sätze rasant aneinandergereiht, Themenblock an Themenblock gesetzt, Inhaltsschweres mit Inhaltsleichtem kombiniert. Die Stimmen anderer geliehen, die eigene Mimik variiert. Ein Solist, der multitalentiert ist. Er ackert durch seinen Geist, er schwitzt. Auf der Bühne steht er allein. Einziges Utensil: Sein Taschentuch - das braucht er, weil alles so Schweiß treibend ist.

Beitrittserklärungen hat Thomas Reis nicht ausgeteilt am Samstag, Wahl war ebenfalls nicht. Gemessen am Applaus hätte er viele (neue) Mitglieder in seiner Partei aufnehmen und viele Kreuze auf den Wahlzetteln verzeichnen können.

Thomas Reis ; Foto: Angela Potthast

Mimisch und sprachlich hält er seine Parteifreunde und die, die es noch werden wollen, bei der Stange.

Foto und Artikel: Angela Potthast, Goslarsche Zeitung von Di., 23.10.2012

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