Silent Radio:

Ihre Fans werden immer irrer

Silent Radio im Bündheimer Schloss: Zum neunten Mal da, ausverkauft, dicker Applaus, zwei Zugaben

Drei Schritte vor, drei zurück. Stillstand? Nee, wohl kaum. Silent Radio aus Braunschweig haben am Samstagabend Stücke aus ihrer Anfangszeit auf die Bühne im Bündheimer Schloss gepackt, aber auch Aktuelles. Eingeladen hatte der Kulturklub Bad Harzburg. Der Saal war voll – voller Menschen und voller Wärme.

Nach zwei Stücken, Bronsky Beats „Smalltown Boy“ und Duran Durans „Save a prayer“, ist der Applaus schon so heftig, dass eigentlich nicht mehr kommen kann. Oder? Doch, doch. Bei Silent-Radio-Fans ist mehr drin. Zum wiederholten Mal sind die Braunschweiger in Bad Harzburg, und zum wiederholten Mal spielen sie im ausverkauften Saal. Die Fans sind also eingefleischt. Darauf können sich Rainer Tacke (Violine) und Frontmann Lars Louie Bottmer verlassen. „Seit neun Jahren kommen wir, und Ihr werdet immer irrer.“

Nicht alle können sich an die Zeit erinnern, als sich in der löwenstädtischen Großraumdiscothek Jolly Joker „Temple of love“ von Sisters of Mercy über der Tanzfläche ausbreitete. Und als da die Leute drei Schritte vor, drei zurück getanzt haben. Louie war damals im Jolly. Seine Version vom Stück: Langsam, sehr langsam. Der Drei-Schritte-Tanz würde dazu nicht funktionieren. Doch dann beschleunigen er, Rainer Tacke, Lars Plogtschies (Drums), Jens Müller (Bass) und Claus Hartisch (E-Gitarre) – und sind damit nah dran am Original.

Älter und schnell ist das, relativ jung das ebenfalls schnelle „Dance with somebody“ von Mando Diao. Ganz jung das „Something in the water“ von Brooke Fraser, das Frontmann Louie mit „Wir sind heute eine Country-Band.“ ankündigt. Deutlich älter und deutlich entschleunigter das „Don’t give up“ von Peter Gabriel und Kate Bush. Das ruhigste Stück im ganzen Set, wie Louie Bottmer ankündigt. Und für das er um totale Ruhe bittet. Die kriegt er. Ruhig bleibt’s aber nicht auf seiner Bühne: Violine und Drums treiben das Stück irgendwann an.

Und vor der Bühne geht’s auch ganz gut ab. In der ersten Hälfte zeigen die Fans Textsicherheit, tanzen, halten aber noch Abstand zu den Männern und ihrer mitgebrachten Sängerin Jule Frenk. Nach der Pause im zweiten Teil rücken sie ihnen fast auf die Pelle. „Wir sind die Groupies“, schreit’s aus der Gruppe jüngerer weiblicher Fans. Tja, damit ist wohl zu rechnen, wenn jemand wie der Louie mit seinen Gästen flirtet...

Für die machen er und die anderen ja auch ihre Musik: Bekannte Songs werden geschüttelt und gerührt, sodass sie nicht immer und sofort wieder zu erkennen sind, der Stimme von Louie Bottmer und dem Violinen-Spiel von Rainer Tacke sei Dank, und dem kraftvollen Schlagzeug-Einsatz von Claus Hartisch. Und überhaupt. Silent Radio sind eigen. Und wegen ihrer Eigenheit werden sie geliebt und vom Kulturklub immer wieder eingeladen. Dem widmen sie am Samstag als Dank ein Lied: „Here comes the rain again“ (Eurythmics). Ihren Fans schenken sie zwei Zugaben. Denen, die nach dem Konzert noch ’ne ganze Weile auf sie gewartet haben, die Gelegenheit, sich mit ihnen fotografieren zu lassen.

Silent Radio ; Foto: Angela Potthast

Nebelmaschine an und los mit der Be- und Entschleunigung von Stücken anderer Künstler (v.li.): Rainer Tacke, Claus Hartisch, Lars Louie Bottmer und Jens Müller. An den Drums sitzt Lars Plogtschies.

Foto und Artikel: Angela Potthast, Goslarsche Zeitung von Mi., 02.05.2012

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