Wolfgang Trepper:

Verrückte Zeit und Vatters Reibekuchen

Kabarettist Wolfgang Trepper bollert rum, verteilt aber auch verbale Streicheleinheiten an Kulturklub und Gäste

Hat sich der Herr Trepper eingemümmelt gefühlt am Samstagabend? Bei den ausgiebigen Verbal-Streicheleinheiten, die er verteilte, muss das doch so gewesen sein. Die Kulturklub-Leute, die ihn eingeladen hatten, bekamen viele ab. Und die Gäste, die das Bündheimer Schloß komplett besetzten, auch.

In sein Programm „Nich’ mit mir“ hat er mehr gepackt als sonst: „Glauben Se mir, was ich heute gespielt habe, den Irrsinn habe ich noch nie vom Stapel gelassen.“ Bis kurz vor 23 Uhr hat’s gedauert. Da ist Wolfgang Trepper wohl abgewichen von den klaren zeitlichen Strukturen und den Ritualen. Denen von damals. „Jeder Samstag begann Punkt 6.50 Uhr“ mit dem Quelle-Universum-Wecker. Fünf vor sieben kam Vatter: „Watt is’?“ Raus aus der Kiste in die Schule. „Da staunen die Jüngeren, wir hatten Samstag noch Schule.“

Aber da staunt auch der Herr Trepper. Als er nämlich Eselsbrücken von einst zitiert, wie „Nie ohne Seife waschen“. Von den Jungs aus der ersten Reihe im Schloß kriegt er Korrektes: Norden, Osten, Süden, Westen. Tja, so dämlich sind die Jugendlichen eben doch nicht. Das hat er zwar gesagt, und auch, dass sie nichts dafür könnten. An Ritualen fehle es ihnen halt.

Halb-Vier-Kaffee

Trepper-Samstage waren voll davon. Schnell, schnell, schnell musste es gehen, um den Zeitplan einzuhalten. Der Herr Trepper schweift am Schloß-Samstag bei der Vorstellung der Tages-Einheiten ab. Vatters Mittags-Reibekuchen: Vom Livio-Öl kommt er auf Öl-Touristen und „diese Weinkenner...da könnte ich ausrasten...nussig im Überdreh...“ Der Halb-Vier-Kaffee: Für den kleinen Wolfgang nur Kakao, „damit der Junge nich’ so viel quasselt...“ – der große Wolfgang quasselt, quasselt, quasselt. „Zum Blauen Bock“ im Fernsehen und die zweite Halbzeit Fußball-Bundesliga im Radio, um halb sechs Fernsehen wegen „Daktari“. „Da war doch dieser Affe, wie hieß der?“ Ein Gast aus der ersten Reihe: „Cheetah“. Wolfgang Trepper bollert die Frau an: „Das war Tarzan.“ Und Judy war’s bei „Daktari“. „Eine verrückte Zeit damals“: Die vier Treppers an einem Tisch zum Essen. Und „verrückt, verrückt, verrückt, da hat man sich unterhalten“. Kein IPod, kein Ballerspiel.

Heino ist ein Monster

Das Unterhalten hat Wolfgang Trepper beibehalten – am Schloß-Samstag mit den Schloß-Gästen. Bei ihm läuft das oft über Schimpfen, und zwar ordentlich laut, sonst wäre es ja kein Schimpfen: über das Wellness-Erlebnis mit der Knie-auf-Rücken-Massage von der Wan-Tan-Schwester. Über das „brutale Monster“ Heino, das sich an einer schwer schuftenden Frau vergeht, die er von Hütte zu Hütte gejagt hat, weil er „so blau, blau, blau“ war – Einspieler von „Blau blüht der Enzian“. Über die falsche Grammatik von Drafi Deutschers „Marmor, Stein und Eisen bricht“ – das muss „brechen“ heißen.

Den Schloß-Gästen verbietet er, das „damm damm“ mitzusingen. Irgendwann dürfen alle. Der Herr Trepper kann ja ein Weicher sein. Wenn er von damals erzählt, vom Einmümmeln in Vatters Bademantel und von Omma – auf E-Mail-Wunsch einer Frau, „die wohl heute hier ist“ – und wenn er Spenden für einen Kindergarten sammelt – am Ende mit seiner roten Tasche vorm Ausgang.

Wolfgang Trepper ; Foto: Angela Potthast

Ach, damals, die „Bravo“ mit ihrer Foto-Liebes-Geschichte. Wolfgang Trepper hat eine mitgebracht. Für die Erinnerungsreise und alles andere – geschimpft oder nicht – kriegt er massig Lacher und Applaus.

Foto und Artikel: Angela Potthast, Goslarsche Zeitung von Di., 17.04.2012

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