Andreas Weißert:

Mal donnert die Stimme, mal fleht der Ruf

Goethe-Gesellschaft und Kulturklub: Szenische Lesung mit Andreas Weißert - Publikum fordert Zugabe

Gut zwei Stunden lang verfolgten die Gäste, wie es ist, wenn ein Schauspieler Goethe nicht nur spielt, sondern ihn regelrecht lebt. Andreas Weißert übernahm die Rolle des Dichters. Viele Gäste wollten ihn dabei sehen und kamen auf Einladung der Goethe-Gesellschaft und des Kulturklubs Bad Harzburg ins Bündheimer Schloß.

Den Gesang der Erzengel aus dem "Faust" deklamierend kam Weißert auf die Bühne und wurde schon mit viel Applaus begrüßt. Man merkte Weißert die Ausbildung am renommierten Max-Reinhardt-Seminar in Wien an. Er brillierte in allen Rollen, er kam mit nur wenigen Requisiten aus. Die Bühne im Schloß gehörte ihm. Wer war Goethe, wer war Andreas Weißert? Die Übergänge waren fließend. Pure Begeisterung für die Sprache war wahrzunehmen.

"Die Seefahrt" beschrieb Goethes Situation als erfolgreicher Dichter ohne richtigen Beruf. Dieses Gedicht begleitete Weißert durch vergangene Geburtstagsfeiern. Dann wurde es für Familienmitglieder umgeschrieben. Weißert verfügt über ein vielfältiges Stimmenrepertoire: Gleich, ob er mit Donnerstimme die den Zeus wiedergab oder auf nachdenkliche Weise Mignons Lied bei Kerzenschein vortrug. Orests Rolle, die Weißert unterm schwarzen Tuch spielte, ging allen unter die Haut. Voller Kraft deklamierte Weißert diese Rolle, riss das Publikum mit. Es lauschte gebannt, bei "Wanderers Nachtlied" hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Es blitzte der veränderte Goethe nach der ersten Italienreise durch. Denn plötzlich spielte die Liebe eine Rolle. Goethes Liebe zu Christiane Vulpius, die als Putzmacherin in einer Hut-Manufaktur arbeitete.

Mit dem Lied des Türmers aus dem fünften Akt des Faust II wollte Weißert eigentlich von der Bühne. Doch die Gäste waren so begeistert, dass er um den Erlkönig als Zugabe nicht herumkam. Lockend, bittend und flehend war seine Stimme. Nach dem letzten Satz ein Moment des Innehaltens, schließlich tosender Beifall. Aus der an ihn herangetragenen Bitte, Goethe zu spielen, entstand ein ganz persönliches Profil - sowohl von Goethe als auch von Andreas Weißert selbst.

Andreas Weißert ; Foto: Dagmar Hoffmann

Mignons Lied bei Kerzenschein: Andreas Weißert deklamiert dabei sanft. Donnernd wird seine Stimme als Zeus.

Foto und Artikel: Dagmar Hoffmann, Goslarsche Zeitung von Sa., 01.09.2012

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