Mark Benecke:

Ein Mann mit Blick fürs Nebensächliche

Kriminalbiologe Mark Benecke zieht seine Fan-Gemeinde erneut in Bann: Wieso entzünden sich Frauen spontan?

Zu den Orten, die der Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke am häufigsten zwecks Vorträgen besucht, zählt Bad Harzburg. Das hat er selbst so gesagt und es war als Kompliment für seine treue Harzer Fangemeinde gedacht, die sich am Samstagabend erneut im Bündheimer Schloss versammelt hatte. In der Tat: Zum sechsten Mal hatte der Kulturklub den TV-bekannten und renommierten Forensiker eingeladen und zum sechsten Mal konnte er sich über ein volles Haus freuen.

Maden, Mülltonnenleichen, Vampire, Blutspuren - über vieles hat Benecke in den vergangenen Jahren referiert. Dieses Mal sollte es etwas Neues sein. Kein Wunschthema des Publikums, sondern ein Einblick in seine wissenschaftliche Forschungsarbeit. Denn, was für den Zuhörer meist spannend und bisweilen auch schauerlich klingt, ist in Wirklichkeit filigrane wissenschaftliche Detailarbeit. "Das hört sich oft lustig an, ist aber ernst", sagt Benecke.

Bizarre Fälle

Die Stimmung im Schloss war sommerlich heiter, die Bilder auf der Leinwand waren es nicht. Sie zeigen verkohlte Leichenreste. Tatortaufnahmen aus verschiedenen Jahrzehnten, die sich alle ähneln und die den Kriminalisten Rätsel aufgeben. Das, was diese Bilder als Resultat dokumentieren und was bisher nicht erklärbar schien, nennt sich "spontane menschliche Selbstentzündung". Verbrannte Körper in unverbrannter Umgebung. Ein Mythos? Ein übernatürliches Phänomen? Nein, ein Fall für den Kriminalbiologen Mark Benecke: "Früher oder später landen die bizarren Fälle immer bei mir."

Wie nun aber löst man solche Fälle? Die Gäste im Schloss begaben sich mit den Experten auf Spurensuche. Und sie mussten höllisch aufpassen, dabei den Faden nicht zu verlieren. Denn Benecke spricht nicht nur gewohnt schnell, er analysiert in diesem Tempo auch höchst komplexe wissenschaftliche Kausalketten. Aber trotzdem vergisst er dabei sein Publikum nicht. Saloppe Formulierungen und knappe Zusammenfassungen des "gemeinsamen Kenntnisstandes" manövrieren den Zuhörer geschickt durch den abenteuerlichen Dschungel der Naturwissenschaften.

Bei genauer Betrachtung ist die Basis der forensischen Arbeit vorurteilsfreie Neugier gepaart mit dem Blick fürs Nebensächliche. Stück für Stück trägt Mark Benecke Fakten zusammen: Alle Opfer waren ältere Frauen, alle waren zum Zeitpunkt der spontanen Selbstentzündung allein in der Wohnung, alle verbrannten nur bis zu den Unterschenkeln. Anhand der Fakten entwickelt er eine Theorie, die wird mit Experimenten untermauert. Alles zusammen ergibt eine wissenschaftlich belegbare Erkenntnis. Darum geht es.

Zwölf Jahre Arbeit

Einen abweichenden Fall allerdings gab es auch. Diese Frau hat überlebt, und sie war nicht allein. Doch ihre Selbstentzündung hat eine andere Ursache - Stichwort Phosphor. Zwölf Jahre hat Benecke am Phänomen der spontanen Selbstentzündung geforscht. In zwei Stunden Vortrag hat er das alles zusammengefasst. Und am Ende erscheint die Lösung so logisch...

Mark Benecke ; Foto: Berit Nachtweyh

Kriminalbiologe, Buchautor und Referent: Dr. Mark Benecke hat in Bad Harzburg viele Fans und gibt gern Autogramme.

Foto und Artikel: Berit Nachtweyh, Goslarsche Zeitung von Mo., 10.06.2013

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