Detlef "Desimo" Simon:

Die Socke als Teesieb und der Fall von Ingmar Ikea

Detlef Simon ohne seinen Spezial-Club beim Kulturklub - Fußball war am Tag des Champions-League-Finales auch sein Thema

Ein Desimo allein. Ein Desimo ohne Spezial-Club. Wie ist das? Tja, super. Die Gäste kennen Desimo, Desimo kennt die Gäste. Das Schloss ist fast voll am Samstag. An dem Samstag, dem das Champions-League-Spiel Borussia Dortmund gegen FC Bayern München vorbehalten schien. Eine der wenigen geltenden Alternativen war der Kulturklub-Eingeladene Detlef Simon (Desimo) mit "Übersinnlose Fähigkeiten".

Ein klein wenig Fußball darf es schon sein: Vor ihm auf dem Boden der Sicherheitsstreifen in Schwarz-Gelb. Und hinter ihm über der Bühne das Absperrband in Rot-Weiß. Desimo hängt sein Programm aber nicht an dem Spiel der Spiele auf, sondern das Flatterband nach einem Magiertrick ab. Er kann nämlich durch den Kunststoffstreifen hindurch gehen. Und ist auf verbotenem Gebiet: "Hic sunt dracones."

Verbotenes reizt doch am meisten, oder? Desimo läuft zum Beispiel nachts, wenn die Ampel Rot zeigt, über die Straße. Er fragt ins Publikum: "Bei "Vorsicht, frisch gestrichen.", was machen Sie als erstes?" Antatschen, genau. Und er fragt sich, warum der Staat so was nicht ausnutzt: "Es ist verboten, Steuern zu zahlen."

Er ist da ganz pragmatisch. Auch, wenn es um Socken geht, die nach der Maschinenwäsche nicht mehr paarweise auftauchen. Steckt eine weltweite Verschwörung dahinter? Ist die eine Socke ganz nach Esoteriker-Erklärung in einen anderen Zustand übergegangen? "Alles Quatsch." Desimo holt eine Waschmaschinen-Anleitung heraus und liest was von Wurmloch und Quantensingularität vor. Ein Gast: "Das steht da?" Desimo: "Ja, das steht da. Das habe ich geschrieben." Plänkeleien mit dem Publikum sind immer drin. Er macht das nett, die Bühnenneulinge nicht zum Kasper, lacht ihnen die Nervosität weg.

Ach ja, und er ist ganz pragmatisch. Die übrig gebliebene Socke könnte man als Teesieb nutzen oder dem Krankenhaus schenken als Schlafsack für Frühchen. Zum Hospital fällt ihm noch die Radioreportage über eine Geburt ein, übertragen vom Kreißsaal ins Stadion - eine Fußballverein-Marketing-Geschichte. "…Schulbuch mäßiges Pressing…ganz üble Blutgräääääätsche, die Hebamme lässt weiter laufen...sooooo ein Tag…"

Irgendwann hat Desimo eine Tasse in der Hand. Das Publikum lacht, weil es sich erinnert: Strumpf als Teesieb. Und er holt tatsächlich eine rote Socke aus dem Becher, die vermisste, und bringt sie zur verlassenen. Noch mehr wird rausgeholt. Das macht ein Gast, den Desimo in eine Fühlkiste greifen lässt, während er redet. "Ticktackticktack…" Was ertastet der Gast? Eine Uhr. Was ist in der Kiste? Ein Schuh. Ja, ja, die Wahrnehmung.

Desimo wechselt zwischen Magiertricks - den Begriff, den sich ein Gast aus einem fiktiven Buch ausgesucht hat, errät er - und wortgewandten Geschichten - die Desimo-Trilogie über Kommissar Ingmar Ikea, den Fall Billy und die finnischen Reinigungskräfte "Putzlappen" - und unnützem Wissen - ein Pferd sind 24 PS.

Am Ende wieder ein Magiertrick. Der mit den Bauklötzchen, die in einen Rahmen passen. Selbst dann, wenn noch ein Klotz dazu kommt und noch einer. Viel Beifall für das Desimo-Solo, das von guter Licht- und Tontechnik profitiert hat. Zugabe von Detlef Simon für seine Bekannten im Schloss, die sich in der Pause den Fußballspielstand per Mobilfunk besorgen konnten - und sonst einen richtig schönen Abend mit dem Solo-Desimo hatten.

Detlef Simon ; Foto: Angela Potthast

Er weiß schon vorher, in welche Torecke der Ball fliegen wird: Detlef Simon hat viele Magiertricks drauf.

Foto und Artikel: Angela Potthast, Goslarsche Zeitung von Mo., 27.05.2013

zurück zur Übersicht

Startseite  |  Sitemap  |  Kontakt  |  Impressum
© 2013, Kulturklub Bad Harzburg