Christoph Dompke:

Streifen mit lächerlichem Inhalt

Lesung von Christoph Dompke, alias Emmi, vor rund 80 Gästen im Schloss

Erst waren sie jung und brauchten das Geld. Dann waren sie alt und brauchten es wieder. Dazwischen Erfolg, Popularität, Weltruhm. Christoph Dompke, alias Emmi, die Hälfte des Komiker-Duos "Emmi & Herr Willnowsky", hat ein Buch über sie geschrieben, über "Alte Frauen in schlechten Filmen", über die Hildegard Knefs und Joan Crawfords. Auf der Bühne des Bündheimer Schlosses, auf die ihn der Kulturklub Bad Harzburg am Freitagabend eingeladen hatte, stellte der Autor diese und jene vor, zeigte Ausschnitte aus ihren späten Streifen.

Sehr speziell ist sein Spezialthema. Er hat sich viele Stücke angesehen, die einzelnen bis ins Einzelne. Er hat eine Menge Details recherchiert, fügt sie ein in die Beschreibungen von Filmstar und -inhalt: Namen von weiteren Schauspielern und deren Filmen. Das längt einige Sätze zu sehr. Und das lenkt ab vom eigentlich zu Erzählenden. Nicht jeden Darsteller kennen die Zuhörer und nicht jeden von Christoph Dompke genannten Filmtitel. Mitunter eilt er durch die Textpassagen. Manch ein Gast vermisst im ersten Teil der Lesung mehr Darstellerisches. Das bietet Christoph Dompke im zweiten Teil. Er imitiert zum Beispiel den ungarischen Einschlag von Marika Rökk, den österreichischen von Elfriede Ott. Die Kombination von Buch- und Filmausschnitt ist hilfreich. Das gerade Gehörte, das vielleicht mal zu böse geratene Beurteilte, lässt sich für den Gast dadurch besser zuordnen. Wie in den Filmen "Was geschah wirklich mit Baby Jane" mit Joan Crawford und Bette Davis sowie der deutschen Adaption "Fahr zur Hölle Schwester" mit Iris Berben und Hannelore Elsner: Psychogeschichten um zwei Schwestern und widerliche Mahlzeiten, die irres Kreischen und Rollstuhldrehereien zur Folge haben. Christoph Dompke wird zynisch, hat allerdings auch Verständnis für die Schauspielerinnen in hohem Alter, die nicht immer nur wegen des Geldes in bizarren Streifen mitwirkten. Er bringt das pointiert, was Kinogänger selbst schon oft im Ansatz gedacht haben. Er zitiert andere Kritiker. Beispielsweise, als es um "Sextett", einen Film mit Mae West geht. Das einstige Sexsymbol, das in dem Streifen einen "amorphen Disney-Cartoon-Charakter" bekommt, zu dem der Satz "Singt sie schon, oder ist es noch der Ventilator" einfällt.

Die älteren und alten Damen spielen in Filmen, die ganz oft gute Absichten hätten, dann aber davon abkämen. Stichwort Camp. Ein Meister darin sei laut Christoph Dompke Vincente Minnelli gewesen. In dem Stück "Die Verlorenen" gebe er der Deko, die Wahl der richtigen Vorhänge, den Vorzug vor dem Drama.

Nicht immer sind die darstellerischen Leistungen wie die Filme. Lillian Gish zum Beispiel schreibt er zu, dass ihr Spiel die Lächerlichkeit der Szene vergessen lasse. Veronica Lake jedoch schien, so Christoph Dompke, einen Heidenspaß gehabt zu haben. In dem Film "FleshFeast". Einer aus der Dompke-Kategorie "Filme, die man nicht glaubt, wenn man sie nicht sieht": Eine Frau rächt sich an "dem" deutschen Diktator, in dem sie ihn mit Hilfe von Maden tötet. Die Gäste im Schloss dürfen einen Ausschnitt sehen und verabschieden sich vom Autor mit Applaus.

Christoph Dompke ; Foto: Angela Potthast

Christoph Dompke, der Germanistik und Musikwissenschaften studiert hat, hat sich einem sehr speziellen Thema gewidmet.

Foto und Artikel: Angela Potthast, Goslarsche Zeitung von Di., 21.05.2013

zurück zur Übersicht

Startseite  |  Sitemap  |  Kontakt  |  Impressum
© 2013, Kulturklub Bad Harzburg