Robert Griess:

"Palim, palim", da kommt die Merkel

Kulturklub: Robert Grieß muss Zugabe liefern

"Palim, palim" - Robert Grieß war da. Am Freitagabend präsentierte er als Gast des Kulturklubs Bad Harzburg sein Kabarettprogramm "Revolte" und musste noch eine Zugabe auf die Bühne des Bündheimer Schlosses bringen. Nachdem er seine Rollen als pfiffiger Prolet oder blubbernde Bundeskanzlerin gespielt hatte, nachdem er als Robert Grieß Häme und Spott über Politik, Wirtschaft, eben die Gesellschaft vergossen hatte.

Nur reden lassen

"Man muss sie nur reden lassen", so der Grieß'sche Wiederholungssatz. Denn sie, die Politiker, labern mitunter einen Müll zusammen, dass dem Zuhörer die Ohren schlackern. Aber das Gute daran: Dieser Stuss ist das gefundene Fressen für einen Robert Grieß. Beispiele: Die Gouvernante der sozialen Kälte, Ursula von der Leyen, hat einmal gesagt, dass Eltern nicht vor ihren Kindern betrunken sein sollen. Ach. Und von Edmund Stoiber kam der Satz "Wir müssen den Kindern mehr Deutsch lernen." Jau. Wenn Robert Grieß das Zitat auf Bayernbühnen liefert, gibt's keine Lacher. Sein Fazit: Kein Wunder, dass das Bayernabitur besser sei als das in seinem Nordrhein-Westfalen. In Bayern würden die Fehler offensichtlich nicht angestrichen.

Ihr vollstes Vertrauen

Gut, wenn einer aufpasst und deutlich macht, wen die Bürger in die politischen Gremien gewählt haben. Der Bundeskanzlerin verpasst er selbstverständlich auch Breitseiten. Sie sei die späte Rache Erich Honeckers an der Bundesrepublik Deutschland. Sie stecke hinter der Eurokrise. Und sagt sie einen ganz bestimmten Satz, steht es um den Angesprochenen schlecht: "Er/sie genießt mein vollstes Vertrauen." Aktuelles Beispiel ist Annette Schavan. Die Parodie auf die Merkel mit ihren Gesten, wie "sanfte Faust" und "so groß ist der Fisch", gelingt dem Robert Grieß famos.

Noch besser kann er den Proleten. Für den setzt er die Brille ab, zieht sich das Jackett aus, krempelt die Hemdsärmel hoch: Herr Stapper, der ausgebuffte Hartz-IV-Empfänger. Seinen Klimakiller, den Hummer, kann er sich leisten, weil er die Reichen verarscht. Er bietet Wohnungen an, die ihm nicht gehören, und kassiert Kohle von denen, die sie als erste besichtigen wollen. Einen langen Part hat Herr Stapper. Einen kürzeren Herr Schober, der mit der quietschbunten Pudelmütze, der mit den lieben Grüßen von Jürgen, Winfried, und Renate. Der, dessen Sohn Aurelio-Julius heißt.

Mit den Namen hat es Robert Grieß. Vor allem mit denen der Banken und Ratingagenturen. Er leitet ab, übersetzt: "Fitch" gleich "fucking" und "bitch", Standard & Poor's" gleich "gewöhnlich & arm". Und erst "Fannie Mae" und "Freddie Mac". Dazu fällt dem Grieß nur ein: "Das ist, als hättest Du in Köln 'ne Tünnes- und Schäl-Bank." Auf diese Banker und Analysten hat er sowieso einen Hass. Ran an die Windräder mit ihnen. Er singt sich einen: "Brüssel und Angela (...), sie ist die Domina von Europa". Da kommt die Merkel wieder ins Programm. Irgendwie würde es doch zu ihr passen, wenn sie bei ihrem Geblubber das Dieter-Hallervorden-"Palim, palim" einbauen würde. Robert Grieß macht's, wenn er Bundeskanzlerin ist. Viel Applaus für Wortwitz und Parodie.

Foto: Angela Potthast

Als Herr Stapper ist Robert Grieß ein ausgefuchster Prolet, der die Reichen verarscht und als Frau Merkel die Rache Erich Honeckers an der Bundesrepublik Deutschland.

Foto und Artikel: Angela Potthast, Goslarsche Zeitung von Mo., 18.02.2013

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