Möwe und Mozart:

Liebe in Zeiten der Gelenkprobleme

Doris Kunstmann und Peter Fricke kommen sich als "Möwe und Mozart" näher

"Möwe und Mozart" mit Doris Kunstmann und Peter Fricke in den Hauptrollen war die Abschiedsvorstellung der Bühne Bad Harzburg am Donnerstagabend: 530 Besucher füllten den Kursaal, waren begeistert - und traurig über das Aus fürs Theater.

"Möwe und Mozart", geschrieben von Peter Limburg, ist die kurzweilige Geschichte einer späten Liebe vereinsamter Senioren. Nicht zufällig trifft die lebenshungrige Sofia "Möwe" ihre große Liebe, den pensionierten Lehrer und mürrischen Griesgram Herbert, Spitzname "Mozart", auf einer Bank im Park. Arrangiert hat das Treffen Herberts besorgter Neffe Carl, alias René. Mozart ist alles andere als begeistert von den Annäherungsversuchen: "Wo wollen sie denn plötzlich hin?", versucht Möwe ihn auf der Bank zu halten. "Plötzlich? Wir haben mehr gequatscht als manche Ehepaare im ganzen Leben", wird es dem Auserwählten zu bunt. Genervt versucht Peter Fricke mit bissigem Blick, die Belästigung los zu werden. Sofia ist in ihrem Optimismus aber unerschütterlich, kraftvoll in sich ruhend gespielt von einer großen Schauspielerin, ohne theatralisch zu wirken.

Bei dem einen Treffen bleibt es nicht. Schlimmer, Sofia besucht Herbert zu Hause, wo es der schnell frierenden Möwe ein bisschen kühl ist. "Dann nehmen sie die Treppe, dann wird ihnen schnell warm", weist Herbert Sofia die Tür. Ihre Kenntnisse aus der Apotheker-Zeitschrift bringen Möwe Mozart mit seinen Genickproblemen näher. Ihn anhimmelnd, erzählt sie von ihrer "Rosensammlung": "Arthrose, Gürtelrose und Osteoporose."

Elegant ist Möwe gekleidet, in grün mit aufgedruckten bunten Paradiesvögeln. Mozart lässt sich überreden etwas auf dem Flügel zu spielen. Rauschend wie eine alte Schellackplatte erklingt Musik vom Band. Nach dem gemeinsamen Besuch einer Feier brummt Mozarts Schädel vom Likör. Im luftig eleganten blauen Abendkleid schwebt Möwe aus Mozarts Gästezimmer, der Abstellkammer, und bekommt spontan Beifall. "Die Krempelkammer kam nicht gleich, da war noch etwas dazwischen", hilft Sofia Herberts Gedächtnis auf die Sprünge. Dem Drama, Sofias Schwächeanfall - der Doris Kunstmann bäuchlings auf die Bretter wirft - folgt das Happy End. Herbert erfährt, dass Möwe im Altersheim lebt, wo alle nur Kochsendungen gucken, richtet Sofia moralisch auf und tanzt mit ihr zu Mozarts "Papageno" bis der Vorhang fällt.

Möwe und Mozart ; Foto: Andre Bertram

Die lebenslustige Möwe (Doris Kunstmann) und der missmutige Mozart (Peter Fricke) treffen sich auf einer Parkbank.

Foto und Artikel: Andre Bertram, Goslarsche Zeitung von Sa., 13.04.2013

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