Uwe Steimle:

Seine Plauze ist ein Konditoralschaden

Kabarettist Uwe Steimle spricht zu 300 Gästen

Kleine Geschichten gefallen ihm. Was ihm missfällt, nennt er "fuarschtboar". Uwe Steimle, Schauspieler und Kabarettist, war am Freitagabend auf Einladung des Kulturklubs Bad Harzburg im Bündheimer Schloß. Er präsentierte sein Programm "Authentisch - ein Stück weit" in ausverkauftem Hause.

"Plaste sind wir, Plastik sind Sie." So sind Ost- und Westdeutschland noch heute zu unterscheiden? Differenzierungen werden im Steimle-Programm des Öfteren aufgetan. Eine kleine Geschichte: Auf dem romantischen Weihnachtsmarkt in Dresden hatte eine Standbetreiberin ihre Speisen als original sächsische Crêpes angepriesen. Eine Bezeichnung, die sich für Uwe Steimle ausschließt, was er ihr sagte. Ihre Reaktion: "Herr Steimle, () das ist für die Wessis, die wissen doch nicht, was Plinsen sind." Einige Tage später hatte die Dame ihre Waren als "französische Eierkuchen" ausgezeichnet. Eine Lehreinheit in Stollenkunde schiebt Uwe Steimle noch ein: Daumendicke Scheiben schneiden - niemals mit der Brotschneidemaschine -, die Scheibe direkt zum Mund führen - niemals ausatmen, sonst fliegt die Puderzuckerbutterkruste runter, "Konditoralschäden" sind in Kauf zu nehmen - er zeigt auf seinen Ranzen, seine Plauze. Noch was: In Dresden heißt das Backwerk Stollen, in Leipzig Stolle. Das sind schon Feinheiten, die kulturgeografisches Wissen anfüllen. Bei manchen Menschen muss jedoch im deutlich Gröberen angesetzt werden. Wenn sich Uwe Steimle anhören muss - wieder eine kleine Geschichte -, dass Thüringen die Hauptstadt von Sachsen sei.

Aus der Systemzeit

Heimatkundliches Unwissen stößt dem Mann, der aus der Systemzeit stammt, der zur Wende Kehre sagt, der Kabarett und nicht Cabaret macht, sauer auf. Und ihn stört, wie sich die Menschen sprachlich auslassen: "Kannst Du mal gerade eben den Müll runter bringen?" "Eher nicht." "Wie jetzt?" "Nicht wirklich." Solche Unklarheiten haben Folgen: "Dann bleibt der Dreck eben wieder oben", so Uwe Steimle. Er denkt wehmütig an Eichendorff, der Worte geprägt hat, wie Herzensgrund. Bei all der Fremd-, gibt es auch Selbstkritik? "Ja, nej, nü." "Das ist in Sachsen ein vollständiger Satz."

Bei "Demse" Pause

Was macht der Uwe Steimle noch allein auf der Bühne? Den Honecker: schrill-schrabbelig. Er lästert, der Merkel Vorname hieß früher "Angeela", heute "Angella". Er fragt sich, ob "Minuswachstum" bedeutet, dass die Tomaten nach unten wachsen. Er findet, dass die Griechen es richtig machen. Bei Demse, sächsisch für Hitze, halten sie nämlich Mittagsruhe. Er erinnert sich gemeinsam mit den Schloßgästen, einem großen Teil von ihnen, an die Intershop-Gerüche. Und hat damit wieder eine kleine Geschichte erzählt.

Ein Uwe-Steimle-Rat könnte sein: Sich selbst Heimat sein und ganz nach Oma "Es hat alles seine Ursachen." - ob "fuarschtboar" oder nicht. Viel Applaus für den Mann aus Sachsen, von dem das Publikum am Freitagabend Zugaben bekommt. Kleine Geschichten, wie die aus der Vorkehrezeit über Pulmotin, sprich "Pülmodin".

Uwe Steimle ; Foto: Angela Potthast

Über Puderzuckerbutterkruste und den richtigen Stollenanschnitt klärt Uwe Steimle die Menschen auf.

Foto und Artikel: Angela Potthast, Goslarsche Zeitung von Di., 19.03.2013

zurück zur Übersicht

Startseite  |  Sitemap  |  Kontakt  |  Impressum
© 2013, Kulturklub Bad Harzburg