Margrit Straßburger:

Ein Spiel mit Teufeln, Engeln und viel Liebe

Margrit Straßburger überzeugt als Gast von Kulturklub und Goethegesellschaft mit einer Heine-Collage

Sie schreitet, schweigt und schaut. Sie flirtet, flötet, feixt. Große Gesten mag sie gern. Genau wie die Nähe zum Publikum. Margrit Straßburger gab alles, zeigte was sie als Schauspielerin drauf hat. Auf Einladung der Goethegesellschaft und des Kulturklubs präsentierte sie im Bündheimer Schloß sich und den großen Dichter Heinrich Heine. "Ich rief den Teufel und er kam" war der Titel des Programms, eine szenische Collage aus dem Leben des Poeten.

Wohl dem, der Heinrich Heine kennt. Weil Bildung immer gut tut und man dann diesen Abend besonders genussvoll goutieren konnte. Wobei auch echte Literaturfreunde - und die findet man bei der Goethegesellschaft in besonders hoher Konzentration - von Margrit Straßburger durchaus über Neuland geleitet wurden. Heine in jeder Lebenslage wurde präsentiert. Der verliebte Heine, der reisende Heine, der fröhliche Heine, der melancholische, der witzige, der politische, der religiöse - und sogar Heine im Bett. Natürlich mit Frau.

Es ging mit Heine nach Holland und Hamburg, wo die Frauen nicht sehr mager sind, und die Schwäne im Sonnenlicht mit den Sternen buhlen. Man fuhr mit Heine zur See, wo er sich an die Geschichten vom weiten Meer erinnerte, die ihm seine Großmuhme früher immer erzählt hatte.

Und immer wieder: Frauen, Weiber, Mädel. Nixen, die den schlafenden Ritter umgarnen, rabiate Hauswirtinnen, die den Ehemann zur Raserei und den unschuldigen Heine in Verdrückung bringen. Und dann Frau Venus, deren schöner lilienweißer Leib die Sinne des müden Ritters Tannhäuser erheitern soll. Was nicht so ganz funktioniert.

Ein Abend voller Liebe, Lust und Leidenschaft. Oder anders ausgedrückt: voller Himmel und mit ein bisschen Hölle - denn wo man gerade ist, lässt sich ja in der Liebe nie so genau ermitteln. "Sind die Engel, die wir treffen, verkappte Teufel? Oder die Teufel verkappte Engel?" Kluge Fragen von einem klugen Dichter gestellt und zu einem klugen Programm verwoben.

Es war aber auch ein schnelles Programm, zumindest so, wie es Margrit Straßburger ihrem Publikum präsentierte. Sie gab ihm durch ihr unstetes Spiel zusätzlich Tempo, mal auf der Bühne, mal zwischen den Stuhlreihen. Manches wirkte herzlich, anderes hektisch. Dennoch war es ein hübscher Bilderbogen aus Literatur und professionellem Spiel. Ein weiter Blick auf das Werk Heinrich Heines, ein tiefer hinein in seine Seele und in die aller Menschen.

Margrit Straßburger ; Foto: Holger Schlegel

"Ich rief den Teufel und er kam. Und ich sah ihn mit Verwunderung an": Margrit Straßburger hat für ihr Programm auch die passende Begleitung dabei.

Foto und Artikel: Holger Schlegel, Goslarsche Zeitung von Mo., 03.06.2013

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