Die Wahrheit:

Wie hält man es nun mit der Wahrheit?

Bühne Bad Harzburg präsentiert eine Komödie mit Helmut Zierl in der Hauptrolle - Kursaal fast voll

Ein Mann im Dreieck. Da die Ehefrau, dort die Geliebte, und hier auch noch der beste Freund. Und von Winkel zu Winkel lügt er und lügt der Mann. Die Komödie "Die Wahrheit", geschrieben von Florian Zeller, produziert vom Studio Landgraf, wurde am Donnerstagabend im fast vollen Kursaal aufgeführt. Der Applaus für den Michel-Darsteller Helmut Zierl und seine Kollegen Karin Boyd (Ehefrau Laurence), Susanne Berckhemer (Geliebte Alice) sowie Uwe Neumann (Freund Paul) war lang.

Sieben Szenen lang ringen die Vier um die Wahrheit. Erst ist es nur der eine, der sich von ihr fernhält. Die anderen scheinen Opfer seiner Haltung zu sein. Zwei sind die Betrogenen (Paul und Laurence), eine ist die Vernachlässigte (Alice). Sie machen ihm Druck: durch die Forderung nach Wahrheit. Alle haben so ihr seelisches Zipperlein, wenn sie es allein schon mit dem Begriff Affäre zu tun bekommen. Verletztheit, schlechtes Gewissen und so. Er meint, Lüge sei Schonung.

Betrogensein

Michel ist offensichtlich der Drecksack. Aber dann, dann wird er überrannt von den eigenen Gefühlen: Betrogensein tut verdammt weh. Und warum tut es weh? Weil jemand die Wahrheit gesagt hat? Paul hat ihn beim Tennis gewinnen lassen. Paul hat was mit Laurence gehabt. Michel sagt "...das einzig Wahre...". Laurence ergänzt "...das ist die Wahrheit." Ach. Das von der Frau, die die Affäre mit Paul bestritten hat. Die aber Tränen rollen lassen muss, als sie von dessen geplantem Wegzug erfährt. Wie ist das also nun mit dem Lügen und der anderen Sache?

In sieben Szenen, eine Steigerung ist im zweiten Teil spürbar, wird das Innen- und Außenleben von Michel aufgeblättert. Helmut Zierl, der Attraktive, ist wie hineingegossen in die Michel-Figur, bietet dem Publikum den versnobten Wahrheitshasser, den Lügengeschichtenauftischer und Drumherumlaberer, aber auch den Weichen, Leidenden und Wahrheitsherausforderer. Seine Gespielen auf der Bühne drückt er damit darstellerisch jedoch nicht zur Seite. Sie haben ausreichend Platz neben ihm, nutzen ihn auch.

Schattenspiel

Raum im wortwörtlichen Sinne ist allen Vieren durch das alles andere als überfrachtete Bühnenbild gegeben. Das muss jedes Mal zwischen den Szenen verändert werden. Ein Schattenspiel fürs Publikum ist das: Der Hintergrund nur blau beleuchtet, davor die schwarzen Möbelrücker. Dass die Gäste vor der Bühne ausdauernd Beifall klatschten, freute die vier Schauspieler auf der Bühne - an liebenswerten Neckereien erkennbar.

Die Wahrheit ; Foto: Angela Potthast

Sagen sie die Wahrheit? Michel (Helmut Zierl, li.) ist erst der alleinige Drecksack, der lügt und betrügt. Dann kommt das Geschichtchen über seine Frau Laurence (Karin Boyd, 2.v.li.) und seinen besten Freund Paul (Uwe Neumann) raus, den Michel mit dessen Frau Alice (Susanne Berckhemer) betrogen hatte.

Foto und Artikel: Angela Potthast, Goslarsche Zeitung von Sa., 09.02.2013

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