Dietmar Wischmeyer:

Hämisches in Poesie gepackt

Satire von Wischmeyer: Kulturklub Bad Harzburg hat ein volles Bündheimer Schloss

Usbekisch soll der Abend enden. Dass das schon mal gleich am Anfang klar ist. Dietmar Wischmeyer kündigt eine Hymne an. Doch bis dahin ist viel Programm: "Deutsche Helden". Über die wollen der einladende Kulturklub Bad Harzburg und die Gäste im vollen Bündheimer Schloss was erfahren.

Hämisch wird es, wenn der "ffn-Frühstyxradio-Mann" Dietmar Wischmeyer den Mund aufmacht - als er selbst, als andere. Der Satiriker hat Figuren erfunden - eigene Charaktere mit eigenem Sprachstil. Er hat Worte erfunden - lange mit frappierender Wiedererkennungsmöglichkeit. Und er hat Geschichten erfunden - säuische mit poetischem Einschlag. Ihm fällt zu Profanstem Erhabenes ein: Die Badezimmerfliese, eine Wächterin des Ebenmaßes. Die Doppelsteckdose, deren Liebe für zwei reicht. Der Hundehaufen als Natur auf dem Asphalt, der sein Leben verschenkt.

Dietmar Wischmeyer als "kleiner Tierfreund" erzählt Silben vernuschelnd und mit holprig-rollendem "R" vom samtigen Lurch, der den Garten in ein Miniaturruhrgebiet verwandelt. Dessen oberirdischer Auswurf der Ausdruck unterirdischen Verlangens ist, "eine frisch geschobene Nummer". Der Ärger des Gartenbesitzers ist also purer Neid auf die Maulwurfpotenz. Ja, die Tiere, die treiben's munter: "Im Forst wird gefiedelt wie bei den Philharmonikern.

"An Sex denkt auch Mike, der Monetenprotz. In seinem Penthouse hat er ein Wasserbett, "den geilsten Deckstand in town". Dahinein würde Biggy passen. Die Langbeinige, die mit ihrer Hasenzunge die Olive im Martiniglas zu Tode hetzt. Er starrt auf das Gerät (Biggy) wie ein Langohr auf den Arsch der Schlange, wenn es auf seine Frau wartet.

Exkremente von wem auch immer und Geschlechtsverkehr zwischen wem auch immer sind bei Dietmar Wischmeyer stete Elemente. So ist Kritik an den Menschen bei ihm. Die Menschen, die statt Meerschweinchenintimfriseure Coaches geworden sind und andere beraten: Selbstmanagement ist, "nicht zu kacken, wenn man muss, sondern wenn die iPhone-App es sagt".

Über einen Lügner, einen Gescheiterten hat der Wischmeyer ebenfalls was zu sagen: K.-T. zu Guttenberg. Der strebt die Wiedererlangung seines Doktortitels an. Jede Zeile selbst ausgedacht, "harr, harr", auch "Am Anfang war das Wort". Über sich selbst spricht er, über seinen VW Amarok und die drohende Gefahr der 60-Jährigen. Einer von denen weiß viel über die Amarokse, die auf der Ladefläche Ablaufrinnen für Inkontinente haben und Bimbobügel.

Sind sie alle deutsche Helden, auch Alice Schwarzer, die sichim Dominaclub einen Bischof gönnen will, und Nina Hagen, die neues Mitglied der Kirche wird? Horst-Adolf, Gauleiter vom Campingplatz, ist es wohl, Willi Deutschmann - Dietmar Wischmeyer mit Hornbrille und Fernglas hinterm Staketenzaun - genauso. Die Rocker sind es allemal, sind aber eine aussterbende Spezies, treffen sich mittlerweile sonntags zu Kaffee und Kuchen. Anders als die "Arschkrampen" Kurt Krampmeier und Gürgen Ferkulat. Die sitzen in der Kneipe. Am Samstag sind sie eine Wischmeyer-Zugabe und auf dem Bildschirm zu sehen. Viel gelacht haben die Gäste über die vielen Wischmeyers. Und zu all der Häme haben sie die versprochene usbekische Nationalhymne bekommen.

Dietmar Wischmeyer ; Foto: Angela Potthast

Wer darf sich angesprochen fühlen vom Hämischen des Dietmar Wischmeyer? Die "Deutschen Helden" beispielsweise. Der Satiriker hat so viele Charaktere erfunden, durch die er über sie spricht und die für sich sprechen. Ist er zu böse? Er hat mal gesagt, "Mitleid ist die Häme der Arroganten".

Foto und Artikel: Angela Potthast, Goslarsche Zeitung von Mo., 28.01.2013

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