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Die Saison 2003/04 -
So sah es die "Goslarsche Zeitung":


GZ-Online

An dieser Stelle präsentieren wir Ihnen die Rezensionen aus der "Goslarschen Zeitung" zu den Aufführungen der Saison 2003/04 der "Bühne Bad Harzburg".

So können Sie noch einmal in Erinnerungen schwelgen und die Vorstellungen Revue passieren lassen!

Wenn Sie bestimmte Künstler suchen, hilft Ihnen sicherlich auch unsere Gästeliste.


Artikel Ladykillers Artikel Zarah Artikel Brisante Erinnerung
Artikel Flitterwochen zu Dritt Artikel Romantische Komödie Artikel Grace and Glory

Grace & Glorie:

Schwere Kost überaus leicht bekömmlich serviert

Zwei-Personen-Stück "Grace & Glorie" vor rund 400 Besuchern im Kurhaus - Umbesetzung quasi in allerletzter Minute

Einen ebenso unterhaltsamen wie nachdenklich stimmenden Theaterabend erlebten rund 400 Zuschauer am Freitagabend im Kurhaus. Auf dem Spielplan: "Grace & Glorie" von Tom Ziegler.

Das Zwei-Personen-Stück litt allerdings unter einer Umbesetzung im allerletzter Minute. Marianne Rogeé - bekannt als Isolde Pavarotti aus der "Lindenstraße" - überzeugte als Glorie, musste aber auf ihre angestammte Partnerin verzichten. Serien-Kollegin Annemarie Wendl - im TV Else Kling - musste aus gesundheitlichen Gründen die Rolle der Grace an Hilde Sochor-Manker abgeben. Diese wiederum erlitt wenige Tage vor der Aufführung in Bad Harzburg einen leichten Schlaganfall und fiel ebenfalls aus. Hilde Vadura, Direktorin des Tournee-Theaters, übernahm die Rolle erst zwei Tage vor dem Gastspiel.

So hatte es die Schauspielerin schwer, sich neben ihrer groß aufspielenden Partnerin zu behaupten. Während die Besucher in den vorderen Reihen mitunter die Souffleuse hören konnten, hatten die hinten sitzenden zum Teil Verständnisschwierigkeiten. Angesichts der kurzen Vorbereitungszeit nötigt Hilde Vaduras Leistung dennoch Respekt ab.

Inhaltlich ging es um die Geschichte zweier Frauen, wie sie unterschiedlicher kaum sein können: Hier die 90-jährige krebskranke Bäuerin Grace, die im Sterben liegt; dort die weltgewandte Karrierefrau Glorie, die gerade ihrem Ehemann von New York in die ungeliebte Provinz gefolgt ist und sich der Hospizbewegung angeschlossen hat.

In ihrer neuen Funktion begegnet sie der Sterbenden, die ihr schweres Schicksal - den Ehemann und alle fünf Söhne hat Grace bereits beerdigt - mit Gottvertrauen und Humor meistert ("Du willst mir, einem wildfremden Menschen beim Sterben helfen? Ist das ein New Yorker Brauch?"). Die kauzig-grantelnde Art und die einfache Lebensweise der Bäuerin schockieren die luxusverwöhnte Städterin zunächst. Doch mit der Zeit entdecken beide Frauen immer mehr Gemeinsamkeiten und entwickeln eine tiefe Beziehung.

Auf leicht bekömmliche Art serviert Autor Tom Ziegler in seinem 1998 uraufgeführten Stück schwere Kost, thematisiert Tod und die Frage, was danach kommt, Glaube, Verlust, Trauer, den Sinn des Lebens. Mit den pointierten Dialogen schafft das Stück den Spagat zwischen Ernst und Unterhaltung. Ein Beispiel - Glorie zu Grace: "Nun nimm doch endlich dein Morphium. Ich kann es nicht ertragen, dich leiden zu sehen." Grace zurück: "Ist das Morphium nun für mich oder für dich?"

Zu der guten Vorlage kam eine gute, da schlichte Inszenierung von Regisseur Peter M. Preissler. Alle fünf Szenen spielten im Bauernhaus. Pfiffige Einfälle wie ein qualmender antiker Herd oder eine funktionstüchtige Wasserpumpe peppten das Bühnenbild auf.

Die Gratwanderung zwischen Ernst und Spaß gelang. Nach zwei Stunden verabschiedete das Publikum die Schauspielerinnen mit viel Applaus. Zum Abschluss der Spielzeit und als Dank für die Treue der Zuschauer verteilte der Kulturklub am Ausgang Rosen.

Das Pressefoto
Bernhard Mecke
GZ von Mo., 12.03.2004
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Romantische Komödie:

Wenn die Liebe schweigt

Leidenschaft mit Wortwitz: "Romantische Komödie" auf der Bühne Bad Harzburg

Wie ist das eigentlich mit der Liebe des Lebens? Gibt es wirklich den Einen oder die Eine, wo alles hundertprozentig passt? Falls ja, woran erkennt man dann sein personifiziertes Lebensglück? Der Kulturklub brachte am Vorabend des Valentinstages die großen Gefühle auf die Bühne Bad Harzburg im großen Kurhaussaal. Die "Romantische Komödie" von Bernard Slade stand auf dem Programm. Und wenngleich die Romantik bisweilen ein wenig schulmeisterlich daher kam, bescherten die Darsteller ihrem Publikum einen amüsant-kurzweiligen Abend.

Manchmal - vielleicht sogar häufiger als man denkt - begegnet einem die große Liebe ausgerechnet dann, wenn es gerade gar nicht passt. Etwa am Tag seiner Hochzeit. So ergeht es dem charmanten und selbstbewussten Bühnenautor Jason Carmichael (Max Volkert Martens - ein brillanter Ersatz für den erkrankten Sigmar Solbach). Kurz bevor Jason der Diplomatentochter Allison St. James (Irma Wagner) sein Ja-Wort geben will, platzt die junge Phoebe Craddock (Silvia Seidel) in sein Leben.

Phoebe stammt aus Vermont, also aus der tiefsten Provinz. Sie will Schriftstellerin werden und mit dem erfolgreichen Jason Carmichael, ihrem "Jungmädchen-Idol", zusammenarbeiten. Die verhuschte kleine Lehrerin aus Vermont und der weltgewandte Starautor aus New York passen irgendwie gar nicht zusammen und trotzdem springt wohl ein Funke über, der die große Liebe entfacht. Doch weder über diesen Funken, noch über ihre Gefühle füreinander reden die beiden miteinander. Sie ist zu schüchtern, er ist zu stolz.

So geht das über zehn Jahre. Aus der Leidenschaft wird eine partnerschaftliche Vertrautheit, die dem Autorenteam nicht zuletzt große Erfolge beschert. Phoebe wird sogar für Jasons Frau Allison zur guten Freundin, zur Ersatzmutter für seine Kinder. Ihr eigenes Bedürfnis nach Liebe steckt sie zurück, darüber sprechen kann sie nicht. Trotzdem entwickelt sich die Story nicht zur Tragödie über eine unerfüllte Leidenschaft. Wortwitz und Schlagfertigkeit legen sich wie ein Schutzschild um die zarte Gefühlswelt - und bescheren dem Stück gute Pointen und überraschende Wendungen.

Dabei mangelt es den beiden sprachgewandten Autoren nicht an Gelegenheiten, miteinander übereinander zu sprechen. Lediglich an Mut. Selbst als sich Jason mit einer Schauspielerin einlässt und Phoebe den Journalisten Joe (Markus Vogelbacher) heiratet, fliegen zwar die Fetzen vor Eifersucht, doch ihre Liebe können sie sich nicht eingestehen. Erst als Phoebe nach zwei Jahren als Bestsellerautorin zu dem inzwischen geschiedenen und glücklosen Jason zurückkehrt, finden die beiden zueinander. "Endlich", seufzt Agentin Blanche Dailey (Monika Goll) und das Publikum mit ihr.

Nach 14 Jahren aufgestauter Leidenschaft ereignet sich dennoch keine romantische Explosion, eher eine Art "Was-wäre-gewesen-wenn"-Bestandsaufnahme. Das mag zwar (schulmeisterlich betrachtet) realistisch sein, ganz so nüchtern analysierend hätte es nun trotzdem nicht sein müssen. Einen Hauch mehr Romantik hätte man sich zum Abschluss der "Romantischen Komödie" dann doch gewünscht.

Das Pressefoto
Berit Seeger
GZ von Mo., 16.02.2004
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Flitterwochen zu Dritt:

Wie ein "Supergau" die Ehe rettet

Lachendes Publikum beim Theaterstück "Flitterwochen zu Dritt" mit Horst Janson

Dass das Boulevardtheater zu Unrecht als zweitrangig abgestempelt wird, zeigte am Donnerstag die "Bühne Bad Harzburg", auf der die Komödie "Flitterwochen zu Dritt" von Marc Camoletti aufgeführt wurde. Hervorragend besetzt, mit Horst Janson als André, Ingeborg Meyer als dessen Frau Agnes und Michael Griem in der Rolle des schwulen Albert, räumte es mit zum Teil schrägen Charakteren, geistvollem Witz, viel Wortspiel, sowie paradoxen Situationen, die Vorbehalte gegen das Boulevardtheater aus.

Schon von dem absurden Szenario am Anfang war das Publikum sichtlich begeistert: Agnes verpasst ihren Flieger zum Geschäftstreffen und kommt früher nach Hause. Dort trifft sie aber neben ihrem Ehemann noch einen anderen: Albert. Der kommt gerade mit einer rosa Badekappe und Handtuch "bekleidet" aus dem Bad, um im Schlafzimmer in seine Kleider "zu huschen".

Agnes ist sichtlich verwirrt und stellt ihren Mann zur Rede, der vorgibt, nichts mehr von dem vorigen Abend zu wissen - nur, dass er den begnadeten Tänzer und Feinschmecker Albert noch zu einem Glas Wein eingeladen habe. Auch Albert rückt nicht mit der Sprache heraus. Statt dessen trippelt er durch die Wohnung und erzählt vom Tanzunterricht. "Ich glaube kaum, dass Sie hergekommen sind, um meinem Mann Ballettstunden zu geben", ist Agnes Kommentar. Allein solch humorvolle Ironie im Zusammenspiel mit ausdrucksstarker Mimik und Gestik sorgte immer wieder für lachendes Kurhaus-Publikum.

Agnes will die Scheidung und schmeißt André aus der Wohnung, denn: " Mein Mann ist eine Schallplatte - von beiden Seiten bespielbar". Nun lädt sie Albert ein, um mehr über den Abend zu erfahren. Er beichtet, dass überhaupt nichts passiert sei - Agnes möchte aber nicht, dass André etwas davon erfährt.

Auf einmal wendet sich das Blatt und sie versucht Albert zu verführen. Dieser entdeckt daraufhin, dass er "in Sachen Sympathie ein weites Herz" hat und verschwindet mit ihr im Schlafzimmer.

Am nächsten Morgen wiederholt sich die Anfangsszene: André kommt nach Hause, um sich mit seiner Frau zu versöhnen und trifft auf Albert, der gerade das Badezimmer verlässt. André regt sich mit den gleichen Worten auf, wie am Tag zuvor seine Frau. Diese kommentiert lapidar: Sie habe sich aufgeopfert, um André aus Alberts "Umklammerung" zu befreien. Spätestens jetzt wird die Situation paradox und verwirrend - genau, wie es sich für gutes Boulevardtheater gehört.

Albert beteuert, dass er Zuneigung für beide empfinde - und macht Agnes einen Heiratsantrag, die ihn auch noch mit "wieso nicht" beantwortet. Jetzt will sich André scheiden lassen. Nachdem Agnes Albert zu der Promotionreise in die Karibik einlädt, dreht ihr Mann völlig durch und will seinem Widersacher endgültig an den Kragen. Da gestehen Albert und Agnes, dass zwischen ihnen nichts gelaufen ist - genauso wenig wie zwischen Albert und André. Nun liegen sich alle in den Armen und entschließen sich, die "Flitterwochen" in die Karibik "zu dritt" anzutreten.

Das Harzburger Publikum erlebte ein Boulevardstück mit hauchfeiner Situationskomik, aber auch mit einem Stück Moral in der Geschichte: Zeigte es doch, dass ein "Supergau" wie Albert einer Beziehung, die sich auf routinierten Bahnen im Kreis dreht, durchaus neue Impulse geben kann.

Das Pressefoto
Anni Fay
GZ von Sa., 17.01.2004
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Brisante Erinnerung:

Man hat halt mal Jürgen Prochnow gesehen

Der Weltstar "erschoss" wegen einer "Brisanten Erinnerung" auf der "Bühne Bad Harzburg" seine Ex-Geliebte

Sie hatten eine heiße Affäre. Ein paar Monate nur. Damals, vor sechzehn Jahren. Nun taucht er, der US-General, plötzlich wieder auf, und erschießt sie, den Alt-Hippie. Der soldatischen Karriere zuliebe, der eine solch "Brisante Erinnerung" an ein Techtelmechtel mit einer militanten Friedensaktivistin womöglich den Garaus machen würde. Liebe hin oder her. Kurz und knapp ist diese Geschichte und irgendwie durchschaubar. Nicht die beste Basis für einen angenehm unterhaltsamen, vielleicht gar spektakulären Theaterabend.

Spektakulär jedoch hatte sich die dritte Aufführung der Theatersaison angekündigt: Jürgen Prochnow spielte am Freitag die Hauptrolle in "Brisante Erinnerung", einer "bissigen Komödie" von Ben Elton. Prochnow, der einzige amtierende deutsche Weltstar. Wie würde ER wohl sein? Wie ist der Moment, in dem ER auf die Bühne tritt? Wenn man IHM live gegenübersitzt? Jeder der durchaus vielen Theatergäste hatte da sicherlich seine eigenen Erwartungen. Mindestens jeder Zweite aber dürfte "den Alten" im Kopf gehabt haben, den "Kaleun", den U-Boot-Kommandanten aus dem Film "Das Boot", bei dem die Kapitänsmütze und das Gesicht im ständigen Knitterfalten-Wettstreit stehen.

Stattdessen: der glatte (!), der erblondete (!!) Jürgen Prochnow. Groß schaut er aus, als er da morgens um 3 im langen schwarzen Mantel im Appartement seiner ehemaligen Geliebten Polly (niedlich: Anna Magdalena Fitzi) auftaucht. Ehrfurchtsvolles Schweigen im Kurhaussaal, kein spontaner "der-Star-tritt-auf"-Applaus, kein Raunen. Das kommt erst später, als "derbe" Worte für Geschlechtsverkehr und männlichen Genitalien benutzt werden . . .Pfui!

Zurück zum Geschehen: Wie wird Prochnow agieren? Nun, ein Filmschauspieler spielt in Filmen. Jedoch ein Theaterschauspieler . . . Der Unterschied dürfte klar sein? Der Mann hat Bühnenpräsenz, kein Zweifel. Die Frage ist nur, ob sie der Zuschauer angesichts des Weltstar-Status' von vornherein auf Prochnow projiziert, oder ob sie Prochnow selbst ausstrahlt. Die Meinungen im Theatersaal teilen sich. Die einen hängen an dem Star, beobachten jede Geste, die Mimik, die Bewegung und sind angetan vom professionell-dezenten Spiel. Handlung hin oder her. Die anderen sind einfach nur enttäuscht. "So toll spielt der aber auch nicht".

Nun kann das daran liegen, dass es eigentlich auch nicht viel Tolles zu spielen gab - was für ein zwei-Personen-Stück von Nachteil ist. Zwei Stunden Pazifismus, Chauvinismus, Feminismus, Militarismus in allen denkbaren Paarungen. Es geht um Liebe, Enttäuschung, Beziehungen. Und vor allem um Affären, die heute den Mächtigen der Welt schneller das Genick brechen können, als es wirklichen Feinde je hätten bewerkstelligen können.

Spätestens als zum ersten Mal die Pistole auf dem Tisch kommt, ist klar: Die liegt da nicht einfach nur so. Einer wird dran glauben müssen. Wer? Bei zwei Personen auf der Bühne keine allzu knifflige Frage.

Also: Peng. Polly tot. Der General kann nicht mehr über eine lang zurückliegende Affäre mit einem seinerzeit 17-jährigen Hippie-Mädel stürzen. Nun ist ja vielleicht gar der Weg ins Weiße Haus frei.

Doch halt, eine überraschende Wendung: Vor Pollys Haustür wird der Ehrgeizling von einem anderen Durchgeknallten erstochen. Ganz am Ende des Stückes und im Gegensatz zum zuvor Erlebten derart unerwartet, dass man Gefahr läuft, es gar nicht mehr mitzubekommen. Nun aber kann man mit der Gewissheit den Theatersaal verlassen, dass die Gerechtigkeit immer siegt. Und man hat halt mal Jürgen Prochnow gesehen.

Das Pressefoto
Holger Schlegel
GZ von Mo., 17.11.2003
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Zarah:

Musikalische Dokumentation mit tiefem Timbre

Das Leben der Zarah Leander als Musical: Auf der "Bühne Bad Harzburg" erklang am Donnerstag das Zusatz-Musikstück der Theatersaison

"Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh'n" - mit diesem Lied hat sich Zarah Leander 60 Jahren unsterblich gemacht. Was aber war davor, was geschah danach, wie wurde die Leander in den 30-er Jahren zum Star und was spielte sich in den 40-er Jahren in Berlin ab? Mit dem Musical "Zarah" wollte Bernd Waldmann das Leben der Künstlerin nachzeichnen. Am Donnerstag gastierte das Ensemble um Karin Pagmar als Zarah Leander auf der Bühne Bad Harzburg im Kurhaus.

Traum von der Bühne

In der Schwedin Karin Pagmar hatte Waldmann eine Sängerin gefunden, die nicht nur mit ihrer Stimme tatsächlich an den einstigen Ufa-Star erinnert. Eine starke Stimme allein aber macht noch kein Musical, allenfalls eine Hommage an Zarah Leander - die rothaarige Schwedin mit der tiefen Stimme. Erzählt wird die Geschichte einer Frau, die mit 22 Jahren ihren Traum von der Bühnenkarriere wahr werden lässt. Die Mutter zweier Kinder ist, entscheidet sie für das Theater.

Sie singt 1931 Lehars "Die lustige Witwe" und wird in Schweden zum Star, 1936 geht sie nach Wien und schafft mit dem Singspiel "Axel an der Himmelstür" den internationalen Durchbruch. Nach dem Film "Premiere" (1937) mit Theo Lingen, Attila Hörbiger und Karl Martell erhält Zarah Leander Angebote aus aller Welt und entscheidet sich - für Berlin. "Weißt du nicht, wer dort regiert", fragt Manager Max Hansen (Hansjörg Zäther). "Die Ufa", antwortet Leander trocken, um darauf festzustellen: "War die Garbo nicht auch in Berlin."

Den Jahren 1937 bis 1943 widmet sich das Musical im Besonderen. Es war zwar die Zeit ihrer größten Erfolge, aber keine einfachen. Ihre ambivalenten Begegnungen mit Goebbels (ebenfalls Hansjörg Zäther) konnten nur einen Teil jener Lebensphase widerspiegeln. Das Hitlerregime, das den Star zur Staatsschaupielerin und damit zur Staatsbürgerin machen wollte, stößt bei Zarah Leander auf kühle Ablehnung: "Ich bin Schwedin und ich bleibe es".

Kampf um Comeback

Zarah Leander kehrt zurück nach Schweden und kämpft nach dem Krieg um ein Comeback. "Was habe ich getan? Eine paar Filme gedreht, ein paar Lieder gesungen, was ist falsch daran", fragt sie sich verzweifelt. Als von Guido Knopp geschulter Zuschauer ahnt man, dass die Sache so simpel vielleicht auch nicht war. Wie im Zeitraffer werden die Jahre "danach" zusammengefasst, das Wort "tingeln" nur beiläufig erwähnt. So bleibt der Anspruch, das Leben der Leander nachzuzeichnen, letztlich unerfüllt und "Zarah" ein Musical mit wenig Pepp, aber einer großartigen Stimme.

Das Pressefoto
Berit Seeger
GZ v. Sa., 25.10.2003
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Ladykillers:

Zur Tea-Time werden Gangster weich

Krimi-Komödie "Ladykillers" mit Gast-Star Uwe Friedrichsen eröffnete die Saison der Bühne Bad Harzburg

Am Ende erklingt leichter, ein wenig melancholischer Jazz. Alle Bankräuber sind tot, auf dem Sofa sitzen nur noch die unerschrockene Margaret Wilberforth (ladylike: Dinah Hinz) und "ihr" Polizist mit der schönen Stimme, Mister Thompson (Wolfgang Grindemann). Bei einem Gläschen Portwein singen sie "My funny Valentine" im Duett. "Ach, wissen Sie, Mrs. Wilberforth", meint Mister Thompson, "behalten Sie einfach das Geld. Sonst gerät der Lauf der Welt zu sehr durcheinander."

Filmklassiker als Vorbild

Das tat er in der Saisoneröffnung der Bühne Bad Harzburg am Mittwochabend mit der Kriminalkomödie "Ladykillers" nicht: Angenehme Unterhaltung, durchsetzt mit englischem Humor, war im (fast) voll besetzten Kurhaus garantiert. Publikumsmagnet Uwe Friedrichsen erwies sich als würdiger Contrepart zu Sir Alec Guiness, welcher in der weltbekannten Verfilmung den Kopf einer zwar ideenreichen, jedoch erfolglosen Verbrecherbande spielt.

Die Witwe Margaret Wilberforth wohnt allein in einem einsam gelegenen Haus. Da bekommt sie unverhofft einen Untermieter, den vermeintlichen "Professor" Marcus. Während sich die Lady im Erdgeschoss an den klassischen Klängen aus dem ersten Stock ergötzt, läuft dort das Grammophon. Das vorgebliche Streichquartett probt nicht für die Londoner Symphoniker, sondern für einen Banküberfall. Erst als die alte Dame zur Mitwisserin wird, weil sie das Geld im Cellokasten entdeckt hat, wird es für sie gefährlich. Doch Ende gut, alles gut: Verbrechen lohnt sich nicht. Alle vier "Streicher" machen den unfreiwilligen Abgang durch das Fenster, wo der Güterzug vorbeirauscht, und richten sich selbst.

Friedrichsen gelang es perfekt und mit mitreißender Lust am Spiel, den schrulligen Charakter des Professors zwischen Geldgier, Gaunerei und charmanter Zuneigung zu Lady Wilberforth anzusiedeln. Herrlich die Szene, als er und seine drei Kumpane (Raimond Knoll, Joachim Kwasny, Peter Schulze-Sandow) eine Teestunde mit Lady Wilberforth und ihren männersüchtigen Freundinnen Harriet (kreischig: Renée Zalusky) und Gwendolyn (Kerstin Fernström) verbringen müssen. Die Würfel sind gefallen, der Banküberfall steht bereits in der Zeitung, die Polizei kann jeden Moment an der Haustür klingeln. Die Herren bringen den Damen ein Ständchen, man trinkt Tee und isst Biskuits, drei Paare tanzen eng umschlungen. Friedrichsen schwang kokett die Hüfte und eroberte die Herzen der Zuschauer.

Bühne in zwei Etagen

Die musikalischen Einlagen gehörten zu den Stärken des Stückes, das nur vor der Pause einige Längen hatte. Dann hatten sich die Akteure warmgespielt. Auch das zweigeschossige Bühnenbild der Inszenierung des "Eurostudio Landgraf" überzeugte. Am Schluss langer und freundlicher Applaus, besonders laut für den Star.

Das Pressefoto
Barbara Wündisch
GZ v. Fr., 26.09.2003
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